Efdemin – Chicago

von Benjamin am 19. Mai 2010

in Musik!

Post image for Efdemin – Chicago

Das Unvermittelte. In einer Musik wie Techno ist es einerseits leicht, Unvermitteltes plötzlich vermittelt sein zu lassen, andererseits ist es auch unglaublich schwer. Meistens reihen sich Elemente chronologisch aneinander. Der Track beginngt mit etwas, dann kommt etwas hinzu, dann noch etwas, dann noch etwas, dann wird etwas weggenommen, dann kommt noch was weg, dann wieder was dazu etc. Hierbei mag egal sein, was hinzu kommt: es gehört eben dazu, weil es an einem späteren Punkt auftaucht. Somit ist es eigentlich leicht: alles ist unvermittelt, bis der Track zu Ende ist. Dann ist alles in der Gesamtheit vermittelt. Bis dahin trägt es allerdings die ganze Zeit den Status des Ungehörten. Aber es ist auch schwer unvermittelt zu sein; aus dem gleichen Grund: Techno kann monoton und einlullend wirken, ein in der Geschwindigkeit und Anordnung der Schläge gleichbleibender Beat – die Bassdrum im 4/4-Takt. Die Klangfarbe minimal verändert, allerdings auch nur von Track zu Track. Ansonsten ist sie innerhalb der Trackwelt wie der Herzschlag, ohne sie kein Technoleben. Efdemin hat sich zu dem Unvermittelten auf seinen Alben etwas einfallen lassen, was im Techno ungewöhnlich ist: er spielt mit der Lautstärke, mit dem Hineinpoltern und -fallen von Elementen. Anstatt etwas einzuschleichen, einzuführen, sanft zu sein, kommen die Elemente plötzlich in seinen Tracks mit hinzu: Sprachsamples, heterogene Sounds etc. Manchmal beginnt ein Track oder ein Part innerhalb eines Tracks leise, bis plötzlich etwas Anderes lauter ertönt. Efdemin ist somit innerhalb seines Sounds noch heterogener als es seine Labelkollegen von Dial sind. Mit seinem Intro „Cowbell“ zum Album leistet er sich dann auch gleich ein No-Go in der Musikwelt: das anscheinende Umherklimpern auf den Instrumenten in der Umgebung. Das spielt doch nur denen in die Hände, die meinen, Technoartists könnten keine Instrumente bedienen, und das sei eh alles unhörbarer Krach, willkürlich gestümpert. Aber etwas viel wichtigeres wird damit klar: auch Techno kann etwas Haptisches sein. Techno sind nicht nur Knöpfe und Software mit einem Minimum an eigener Bewegung (die dann vielleicht erst im Club beim Tanzen herauskommt). Zum Techno gehört die Bewegung genauso wie zum Rock. Es besteht nur ein gradueller Unterschied, kein prinzipieller. Und dann sind die ganzen „natürlichen“ Schlagzeugsounds wie Rides und Hi-Hats. Man versucht weg von einem artifiziellen und dadurch neuen Klang hin zu der Essenz der Dinge zu kommen. Die Percussion soll nicht mehr cool und neu klingen, sie tritt in ihrer primären Aufgabe ins Licht: die Zeit einzuteilen. Zeit vergeht, auch auf einem Techno-Album und wie wird die eingeteilt? Durch die Percussion und ihre Rhythmen. Nimmt man der Percussion ihre glamournde Shinigkeit, klingt sie plötzlich wie blasses Rockequipment. Aber dadurch wird der Techno plötzlich großflächig und textural. Er läuft zur Gegenseite über. Kein Minimal-Techno klang jemals so minimal Minimal wie bei Efdemin und den artists des Dial-Labels.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: