EF, Trip Fontaine, EL*KE – Forum Bielefeld, 04.04.2008

von Benjamin am 11. April 2008

in Feierlichkeiten

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Die VISIONS-Partys bringen alle möglichen Bands zusammen, und so war es der Zusammenstellung für Bielefeld geschuldet, dass man 2/3 des Abends von einmal genialem Instrumental-Rock aus Schweden in Form von EF bewegt und gerührt war, und danach von Trip Fontaine einmal durch die Luft gewirbelt wurde, um zum Schluss geschlaucht aber glücklich auf dem Boden zu landen. Das letzte Drittel bleibt erst einmal unerwähnt, man muss bei VISIONS-Partys ja nicht von Headlinern sprechen, das hätte für diesen Abend auch nicht gepasst. EF live zu sehen, ist großartig, und wenn heutzutage die Veröffentlichungen im Bereich Instrumental-Rock immer zahlreicher werden und man inzwischen schon aussortieren und dadurch auch auswählen kann, so spielen EF den sicherlich ausgefeilteren und überdachteren Instrumental-Rock. Es gibt einfach zu viel wischiwaschi Produktionen, mit wenig Gedanken über die Dynamik innerhalb der Songs, die ein wichtiger Bestandteil sind. EF singen zwar, live wie auf den Alben, aber sehr verhalten, auch wenn man denkt, dass bei den wundervollen Gesängen wie bei „Bear“ oder „Appendix“ vom neuen Album I Am Responsible der Weg zu einer Instrumental-Post-Rock Band wie Sigur Ros nicht mehr weit ist. Live spielten EF präzise, mit einer ungeheuren Gewichtung der präzisen Aussteuerung der Laut/Leise-Dynamik, die es den Zuhörern erlaubte, einerseits die leisen Passagen noch exakt wahrnehmen zu können, und andererseits bei den Ausbrüchen nicht taub zu werden. Dass Bassist Mikael laut Website die Band demnächst verlassen wird, war dem Ensemble nicht direkt anzumerken, vielleicht im Ausrasten des Gitarristen/Cellisten/Trompeters Jonatan, der beim letzten Stück seine Gitarre auf den Bühnenboden warf und verschwand, ansonsten agiert die Band wie eine einzig an- und abschwellende Welle. Die Songs des neuen Albums sind eine sehr intelligente Weiterentwicklung, mit Erweiterung der Elemente um mehr Instrumente und eine noch wohlüberlegtere Strukturierung des Songs. Man bedenke: wenn man Instrumental-Rock fabriziert, ist es schwer, nicht immer nur Laut/Leise | Clean/Verzerrt abwechseln zu lassen, sondern wirklich Dramaturgie einzubauen. Das schaffen EF, und sie bringen es auch perfekt auf die Bühne. Dabei sehen sie auch noch ganz schön hip aus, verbergen das aber ganz gut hinter Schüchternheit und Aufopferung in Form von Schweiß für die Musik.

Trip Fontaine aus Deutschland waren dann der Wirbelwind des Abends, ein Haufen Bekloppter Bixler/Rodriguez-Lopez Abkömmlinge, die eine wirre Mischung aus Post- und Instrumental-Core machen, mit viel wichtiger Abwechslung durch wechselnde Drummer, Korg MS-20 Einlagen und einem ungeheurem Tempo. Intelligenter und komplexer Core aus Deutschland, professionell gespielt aber mit trotzdem so viel initialer Energie, dass man glaubt, die Drummer wollten ihr Schlagzeug buchstäblich in alle Einzelteile zerlegen, es so verdreschen, dass nichts mehr davon übrig bleibt. Das Spiel auf der Gitarre ist dann so aberwitzig, dass man auch hier meint, keinen einzigen normalen Akkord zu hören, Innovation im Songwriting bringt hier die wichtigste Qualität. Einzig und allein im Gesang sind vielleicht ein paar Abstriche zu machen, aber das kann ja auf Platte alles noch ganz anders klingen, die habe ich bis jetzt noch nicht gehört, dafür muss ich mir erst Kissen um den ganzen Körper binden, damit ich mich nicht selbst verletze.

Umso mehr überrascht dann das letzt Drittel des Abends. EL*KE wissen wohl um ihre Schwächen und fordern deshalb das Publikum nach dem ersten Song auf, doch jetzt bitte mal abzugehen und bauen schon beim dritten oder vierten Song peinliche Coverpassagen von „Sympathy for the devil“ und „Are you gonny by my girl?“ ein. Ansonsten ist alles mehr als straight bei EL*KE, hier stört keine Innovation die gute alte Rockschule wie wir sie aus dem Stoner- und Hard-Rock Bereich kennen. Die überraschend gefühlvollen Texte tragen dann auch nichts mehr zur Besserung bei, ein bisschen prollig wirkt das alles in allem, und passt irgendwie so gar nicht zum Beginn des Abends. 7 Euro für zwei mehr als gute Bands, ist das aber alles mehr als wert.

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