EF – Mourning Golden Morning

von Benjamin am 6. April 2010

in Musik!

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Es ist nicht besonders schwer, die strukturellen Bedingungen des Genre Instrumental-Rock zu definieren oder herauszuhören. Da ist viel Musik und wenig Gesang, da ist viel Zeit für alles, da ist eine Gleichberechtigung der Instrumente, da ist ein Thrill, den es beim Pop nicht zu geben scheint. Post-Rock hat wenig Refrains, Strophen, Bridges, beim Instrumental-Rock geht jemand los, auf einen Berg zu, besteigt ihn und schaut von oben ins sonnige oder finstere Tal. Beim Pop geht jemand einkaufen, in alle großen Geschäfte die als Ketten existieren und hat danach etwas oder auch nichts. In EFs Fall wird der Himalaya erklommen, man kann förmlich das angestrengte Schnauben des Aufstiegs hören. EF erklimmen den Himalaya jetzt zum dritten Mal mit ihrem Album „Mourning Golden Morning“. Dabei beachten sie eine wichtige Regel oder Voraussetzung für Instrumental-Rock, der nicht ins eine Ohr hinein und zum anderen wieder hinaus gehen soll. Sie spielen präzise und haben ein Gespür für Melodie. Das war auf „Give me beauty… or give me Death!“ und auf „I am responsible“ schon so, das ist auf dem neuen Album ebenfalls so. Wenn man sich als Instrumental-Rock Band nicht andauernd selbst oder noch schlimmer andere Bands des Genres kopieren will, muss man sich etwas einfallen lassen. Viele Instrumental-Rock Bands stoßen dabei auf den Gesang. Da hat man den Gesang extra irgendwann weggelassen, da könnte man ihn doch jetzt auch genausogut wieder hinzufügen. EF gehen dabei den intelligenten Weg, die Stimme trotzdem als Gegenpol der Musik darzubringen und nicht zu versuchen es mal gerade so klingen zu lassen, als wäre das ja immer schon möglich gewesen. Man hatte sich auch vorher bewusst entschieden, den Gesang wegzulassen, da muss man eine Stimme erst einmal wieder vorstellen, behutsam einführen und vorsichtig damit umgehen. Genau das tun EF. Neben der Stimme existiert in EFs Musik weitaus mehr Treble-Drone (in Form von gelenkten Rückkopplungen) als auf den Vorgänger-Alben, der Sound ist insgesamt heller geworden und auch kantiger. Die Gitarren klingen ein wenig schärfer, nicht mehr so rund, sie klingen direkter, dafür ist der Gesamtsound schwebender geworden. Pathetisch ist das Album trotzdem allemal, schon der Opener führt mit aufwendig arrangierten Streichern in einem großen Gesamtspannungsbogen ein. Aber es wird niemals peinlich und niemals anstrengend, man ist in keiner Sekunde erschlagen oder steht vor einer undruchdringlichen Soundwand. Einzig und allein der allzu naturbelassene und nach vorne gemixte Sound des Drumcomputers fällt etwas aus der ansonsten sauber und wohlüberlegten Produktion. Hier hätten sich EF vielleicht von Sound kontemporärer Elektronik-Bands etwas abschauen können. Dieser kommt allerdings auch nur bei zwei Songs vor. EF reihen sich mit ihrem dritten Album in die Riege ungewöhnlicher und herausstechender Instrumental -Rock-Bands ein.

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1 hcsop April 18, 2010 um 14:03 Uhr

Die neue Platte ist die erste Platte von EF, die es auch auf Vinyl gibt und zwar als Doppel-LP im handnummerierten Siebdruckcover.
Ist die erste Veröffentlichung des Bielefelder Label Kapitän Platte.
Weitere Infos unter http://www.kapitaen-platte.de

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