Ef – Forum Bielefeld, 15.04.2010

von Benjamin am 28. April 2010

in Musik!

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Vorbei sind die Zeiten, in denen EF (ausgesprochen E.F., nicht Ef) in Bielefeld wie auf der VISIONS-Party 2008 vor knapp 50 Leuten spielten, am heutigen Abend sind 300+ Leute angereist, um zuerst Long Distance Calling aus Münster und dann EF spielen zu sehen. Erstere sind aufgrund ihrer enormen Härte nicht jedermanns Geschmack, aber die Rechnung ging auf, denn der Auftritt war ein hochwertiges Sammelsurium an den Pros des Metal. Konzentriert man Metal auf seine Essenz und lässt einen Egomanen am Mikrofon weg, erhält man konsequente und kompromisslos gute Musik. Diese Essenz schöpfen Long Distance Calling auf bisher zwei Alben und im Forum auch live voll ab, wobei besonders ihr Spiel von gleichbleibenden Melodien mit wechselnden Basslinien und darauf folgenden extrem rhythmischen Parts immer wieder auffällt. Die Rhythmmik kommt vor allen Dingen vom Drummer und wird dann besonders treibend, wenn die Double-Bass bedient wird. Der Sound im Forum ist sehr gut, Long Distance Calling sind perfekt abgemischt und somit ist jeder einzelner Bassdrum-Kick genau herauszuhören. Auch die Soli innerhalb der Songs sind gut, denn sie kommen nur selten und das ist deswegen gut, weil man ansonsten so ein ungutes Mucker-Gefühl bekommt, bei denen alles nur auf Technik angelegt ist. Aus dem Metal heraus gespielter Instrumental-Rock ist eine sehr intelligenten Überlegung, und das haben Long Distance Calling bisher als einzige Band so richtig raus. Wenn Long Distance Calling schon präzise spielen, so sieht und hört man bei EF, dass sie mittlerweile ihre 11. Europa-Tournee durchziehen, knapp zwei Monate werden sie fast ohne Pause jeden Tag live spielen, der Auftritt in Bielefeld liegt eine Woche nach Tourbeginn und EF sind dementsprechend noch sehr frisch. Sie beginnen ihr Set mit dem Intro zur neuen Platte und dem darauf folgenden „Sons of ghosts“. Auf der Bühne stehen Niklas, Tomas und Daniel, die den Kern von EF ausmachen und zwei Live-Musiker am Bass und an der Gitarre, die kein fester Bestandteil der Band sind. Beim Zusammenspiel sieht aber alles aus wie aus einem Guss, EF sind eine absolut eingespielte Band, das merkt man von Anfang bis Ende. Ihr Set besteht aus einem Mix aus Songs von ihren drei Alben, das Schlüsselstück der zweiten Platte wird live dabei zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Dort werden im Mittelteil immer wieder die Laute „ah ha ha“ von Daniel und Tomas gesungen, mal singen sie sie alleine, mal singen sie sie zu zweit, aber irgendwann ist alles still, keine Instrumente (bis auf ein kleines störendes Feedback), nur die beiden Stimmen und tatsächlich ist es im Forum so leise, dass man eine Stecknadel inmitten des Raumes fallen hören konnte, bis dann eine Sekunde später die Hölle losbricht, und das nicht in einem unkontrollierten Wahnsinn, sondern in dem was guten Instrumental-/Post-Rock ausmacht, der kontrollierten Bedienung von Gitarre, Bass und Schlagzeug, aber so ins Extrem gehoben, dass man fast zu meinen scheint, dies muss die direkteste Übertragung von Energie innerhalb von Musik sein, stärker größer höher und tiefer geht es nicht mehr, hier ist Ende, hier ist Himmel und hier ist Vulkan. Und das macht auch das Livespiel von EF aus: das Abwechseln von ruhigen und lauten Passagen und das Ganze in einer Landschaft aus intelligent aufgebauten Melodiebögen, versetzt mit ein paar Sprachsamples, an denen auch deutlich wird, wie sehr das immer noch Thema im Post-Rock ist: die Stimmen und was man mit oder ohne sie macht. Bei EF auf den Alben und auch live sind sie wie Instrumente eingesetzt und das ist dann auch das Fazit des Abends: EF leisten eine große Hommage an ihre Instrumente, indem sie alles aus ihnen heraus holen was es herauszuholen gibt, sie verausgaben sichan und mit ihnen, sie schreien und springen, um dann wieder in sich selbst zu versinken. Das ist mitreißend, das ist dramatisch und das kommt ganz ohne großen Pomp und ohne Selbstinszenierung aus, denn gesprochen wird nicht viel. Der einzige Pomp sind dann die vier Fackeln, die bei der Zugabe auf die Bühne gestellt werden und die eine Idee des Bielefelder Vinyl-Labels Kapitän Platte waren. Nach dem Auftritt hatte ich die Chance, mit EF darüber ein paar Worte zu wechseln.

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