Editors – Ringlokschuppen Bielefeld, 20.11.09

von Hififi am 26. November 2009

in Feierlichkeiten

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Es ist wenig gelungen, wenn Konzerte früher beginnen, als allgemeinhin angekündigt wurde. Wiederum eigentlich sehr erfreulich, wenn das Publikum nicht stundenlang rumstehen und ellenlange Umbauphasen ertragen muss, was ich im Ringlokschuppen noch nie erleben musste. Es steht allerdings nichts dafür, die erste Band des Abends fast völlig zu verpassen und nur noch zweieinhalb Songs erleben zu dürfen. In diesem Fall handelte es sich immerhin um die großartigen Kanadier von Wintersleep, die ich doch so verzweifelt gern von Anfang an gesehen hätte. Sei’s drum, schließlich spielen sie ihren „Jahrhundertsong“ („Miasmal Smoke & The Yellow Bellied Freaks“) an letzter Stelle ihres artig beklatschten Sets und so bin ich ein wenig versöhnt. Schon unglaublich, dass diese musikalische Virtuosität und die leidenschaftliche Hingabe selbst auf großen Bühnen noch eine gewisse Intimität vermitteln können. Zumindest war ich nicht der Einzige der begeistert applaudiert hat.

Weniger als eine halbe Stunde später stehen bereits The Maccabees auf der Bühne des imposant gefüllten Hauptbereichs. Die fünf Briten spielen eine recht beliebige Indie meets Punk-Mischung aus der besonders der Gesang von Orlando Weeks hervorsticht, der der Musik einen Rockabilly-Anstrich beschert. Viele werden die Musik der Maccabees genau aus diesem Grund wohl recht originell finden, denn die überwiegende Mehrheit der Anwesenden hatte offensichtlich seinen Spaß, bloß dem hier Schreibenden trieb es nach einigen Minuten wieder in den Empfangsbereich.

Das neue Album der Editors „In This Light And On This Evening“ beschert mir eine gewisse Vorfreude auf Tom Smith, Chris Urbanowicz, Russell Leetch und Ed Lay, denn es ist anders geworden, als die beiden Vorgänger. Die Gitarren sind mehr oder minder Geschichte und wurden von zahlreichen Synthesizern abgelöst, was die Musik der Briten unmittelbar in Richtung New Wave und somit ein stückweit weg von Joy Division rückt. Somit ist auch der Auftritt an sich fast zweigeteilt, denn die Songs der ersten, beiden Alben mischen sich gleichberechtigt mit denen von „In This Light And On This Evening“. Die LED-Wand passt somit bestens und erinnert an New Order-Shows. Von Joy Division zu New Order, besser lässt sich der Schritt zu neuen Ufern kaum beschreiben. Mit „Papillon“ gibt es zwar einen veritablen Hit der „Neuen“ zu vermelden, trotzdem werden doch zunächst die älteren Gassenhauer abgefeiert. Große Gesten, wie ausführliche Ansagen bleiben Mangelware, wie wir das bereits gewohnt sind, was der überschwänglichen Laune des Publikums keinen Abbruch tut. Ansonsten ist alles beim Alten, Tom Smith ist der Blickfang, der gelegentlich wild über die Bühne wirbelt, seine Mimik lässt zudem wahre Hingabe vermuten. Die anderen sind zwar ebenfalls anwesend, was allerdings optisch nicht weiter auffällt. Eine Show, zwischen schrillen Gitarren und sphärischen Synthies, mit einer sehr versierten Liveband, die es versteht ihr Publikum zu fesseln. Ein Vorhaben, welches in meinem Fall nur daran scheitert, dass ich mich in Großraumhallen manchmal ein wenig fehl am Platz fühle. Aber die Zeiten, in denen die Editors in kleinen Clubs spielen, sind eindeutig vorbei.

Foto: editorsofficial.com

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