Editors – Forum Bielefeld, 14.2.06

von Hififi am 15. Februar 2006

in Feierlichkeiten

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Eigentlich hatte ich mich auf einen ruhigen und beschaulichen Abend mit kleiner Bühne und wenigen Konzertbesuchern eingestellt und mich prompt getäuscht, denn es war fast ausverkauft. „Scheint also fast, als ob noch mehr den Plagiatsvorwürfen trotzen und Editors zumindest eine Chance geben wollen“, denkt man, und das man es ja genauso handhabt. Obwohl „The Back Room“ bei mir richtig eingeschlagen hat, will ich mich vergewissern, dass mit Editors kein seelenloser Klon eines gewissen Geheimdienstes auf der Bühne steht.

Brakes sind eine gute Band, fast ein wenig schade, sie nur als Support zu sehen, aber mal von der eigentlichen Wortbedeutung ausgehend, haben sie genau das hervorragend hinbekommen: Anheizen, mit Witz und Charme. Ob nun die 20-sekündige Hasstirade auf Dick Cheney, oder Country-Balladen Marke The Choral, oder gar in bester Disco-Manier an Radio 4 erinnernd, der Vierer hat das Publikum auf seiner Seite und überzeugt. Der Gitarrist erinnerte lustigerweise an Pete Doherty, behielt seine Spucke aber da wo sie hingehört, deshalb kann er es wohl nicht gewesen sein.

Um 22.15 Uhr kommen Editors auf die Bühne und beginnen ohne Ansage ihr Set. Das großartige „All Sparks“ kommt bereits an zweiter Stelle und verschafft erste Eindrücke, und die sind positiv. Glasklarer Sound mit einem ebensolchen Gesang, von den grandiosen Songs ganz zu schweigen. So früh war mir selten klar, dass sich die Anreise gelohnt haben wird. Sänger und Gitarren-Derwisch Tom Smith sieht wie eine Schmachthaken-Version von Kai Pflaume und mit seinen leicht autistischen Gebärden ein wenig verloren aus, auf der kleinen Forum-Bühne. Russell Leetch ist der Fels in der Brandung, der Meister Petz der Band und der Prototyp des gemütlichen und bewegungsscheuen Bassisten, wogegen Schlagzeuger Ed Lay die Felle bearbeitet, als ob sie ihn persönlich beleidigt hätten. Nur Lead-Gitarrist Chris Urbanowicz hat zwischendurch Zeit um Bier zu trinken, ansonsten liefert er seine sirenenartigen Melodien punktgenau. „Bullets“ an vierter Stelle wird schon frenetisch gefeiert und mit „Camera“ steht der erste Gänsehaut-Moment an. Tom Smith – nun am Synthie – starrt apathisch ins Publikum, singt von Trennungsschmerz und Gefühlskälte, um dann diesen unglaublichen Song in ein fulminantes Finale zu manövrieren und dem Auftritt sein Highlight zu spendieren.

Viel mehr bleibt nicht mehr zu schreiben, vielleicht nunmehr zu konstatieren, dass Editors kein seelenloser Klon sind und nun jeder selbst entscheiden darf, ob er ihnen sein wertes Gehör schenken mag.

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1 Sterereo Februar 15, 2006 um 17:15 Uhr

Ja, das Konzert war ein gutes. Hätte nicht mit der extrovertiertheit der Band gerechnet, hatte teilweise schon chris-martinische Anflüge. Auch musikalisch haben Editors nach dem Konzert mich etwas mehr überzeugt, war doch das Album nicht ganz mein Fall.

Die Vorgruppe war aber wirklich sehr cool! Das geschrebbel der Akustikgitarre ergab einen seltsam-komischen Sound. Ultratanzbare Hit-Songs wechselten sich mit 3-Sekunden Geschrei („Comma, Comma, Comma, FULL STOP!“) ab. Country nicht zu vergessen.

2 Mommsen Februar 16, 2006 um 08:26 Uhr

Schöne Rezension! Gibt’s auch ein Bootleg? 😉

Tja, da habe ich wohl echt was verpasst…

Aber jetzt ist ja erstmal ein Jahr lang kein Valentinstag, also genug Zeit, viele gute Konzerte zu besuchen. 🙂

Viele Grüße
Mommsen

3 Hififi März 2, 2006 um 17:21 Uhr

Das Pete Doherty-Double war übrigens Tom White von The Electric Soft Parade! Fast ein bisschen peinlich, ihn nicht erkannt zu haben, gehören Alex und Tom White eigentlich zu meinen Lieblingen.

4 Hififi März 3, 2006 um 11:33 Uhr

Ist Interpol eigentlich ein Geheimdienst, oder mehr so eine international agierende Polizeieinheit?

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