Eddie Vedder- Into the wild

von Pynchon am 25. November 2007

in Musik!

Post image for Eddie Vedder- Into the wild

Auf welchen Wegen sie auch immer zueinander gefunden haben, irgendwie kann man sich den störrischen Hollywood-Rebell Sean Penn und Pearl Jam-Frontmann und Publicity-Verweigerer Eddie Vedder schon ganz gut zusammen vorstellen, verschwiegen und abseits der lästigen Öffentlichkeit, bei ein oder zwei Glas Bier (oder Fanta). Sean Penn hat nämlich Joe Krakauers auf einer wahren Begebenheit basierenden Erfolgsroman „In die Wildnis“ verfilmt, und wenn man den US-Kritikern glauben darf, ist daraus ein Film entstanden, der in Erinnerung bleiben wird. Eddie Vedders musikalische Untermalung, will ich mal behaupten, wird ebenso die schnellebigen und an wöchentlichen Neuerscheinungen nicht armen Zeiten überdauern.

Im Film geht es, das sollte erwähnt werden, um den eigenwilligen Ausbruch des jugendlichen Christopher McCandless, der Freunde und Familie hinter sich lässt, sein nicht geringes finanzielles Habe verbrennt, also radikal mit der Gesellschaft und ihren ökonomischen Werten bricht, und sich in die Wildnis Alaskas aufmacht- Henry David Thoreaus Klassiker Walden ist allgegenwärtig. „In die Wildnis“ erzählt von diesem Ausbruch, von den Zurückgebliebenen und ihren Erinnerungen, von dem einmaligen sinnlichen Erlebnis einer neu entdeckten Ursprünglichkeit, und von Christophers tragischem Ende.

Eddie Vedders Album greift diese Stimmung auf, das Wagnis und die Erregung des Aufbruchs, der zugleich das Ende des bisherigen Lebens bedeutet, die Wehmut der Abkehr von den vertrauten Menschen und die Überwältigung einer außergewöhnlichen Erfahrung. Erstaunlich auch nach all den Pearl Jam-Alben, wie außergewöhnlich Vedders Stimme ist. Ohne falsches Pathos, ohne Sentimentalität, doch voller Gefühl singt Vedder wie ein von Fernweh geplagter Tramp.

Die Stücke sind bis auf wenige Ausnahme sehr kurz, bringen eine Emotion und einen Gedanken ohne Ausschmückung auf den Punkt. So sind auch die Texte: „Comes the morning, when I can feel, that there´s nothing left to be concealed. Moving on, a scene surreal, know my heart will never, never be far from here.“ Vedders Musik ist im Geiste dem Folksong-Ethos eines frühen Bob Dylan verpflichtet, was nicht bedeutet, dass keine elektronische Unterstützung benutzt wird, aber die Bescheidenheit des puren Ausdrucks, reduziert auf das Nötigste, steht vielen Songwritern der sechziger Jahren sehr nahe.

Wenn Pearl Jam nicht schon mit einigen Alben wie etwa „No code“ oder „Riot Act“ dem grungigen Ursprüngen enteilt wären, könnte man behaupten, Vedder sei inzwischen ganz zu sich gekommen, habe das Ethos und das übliche Getue der frühen Jahre hinter sich gelassen und sei an nichts mehr interessiert als an seiner musikalischen Integrität. Songs wie „No ceiling“ oder das wehmütige „long nights“ sind nichts weniger als wunderschöne, immer wieder neu hörbare Stücke, „the wolf“ ist ein von Schwermut getragenes, von Akkordeon-Klängen untermaltes Wehklagen, in dem Vedder auf einen Text verzichtet und wiederholt aufjault (auuuuuuuuuh!). „Guaranteed“ schließlich, das abschließende Stück, ist sicherlich einer der besten, berührendsten Songs, die Eddie Vedder je geschrieben hat: „Wind in my hair I feel part of everywhere, underneath my being is a road that disappeared, late at night I hear the trees, they´re singing with the dead overhead“.

Als der Song fast beendet ist, wird er von einer zweiminütigen Stille unterbrochen (Pearl Jam haben das auf dem finalen Stück „All those yesterdays“ auf „Yield“ schon einmal so gemacht), ehe die Gitarrenakkorde noch einmal, wie aus weiter Ferne, anheben und bald traurig verklingen. So, als sei der Held schließlich aus der Handlung verschwunden, und für einen Moment ist die Erinnerung an ihn noch so intensiv, als sei er nicht wirklich fort. Danach Schweigen- das Album ist nach dreiunddreißig aufregenden Minuten beendet.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: