Drink To Me – Brazil

von Pynchon am 14. Juli 2010

in Musik!

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Mit dem schönen Album-Titel “Don’t Panic, Go Organic!” debütierten die drei Italiener von Drink To Me vor zwei Jahren (damals co-produziert vom Assistenten der Cousine des Schwagers vom Onkel des Sängers, oder so ähnlich, der auch schon bei den Yeah Yeah Yeahs und Blonde Redhead seine Finger im Spiel hatte – erstklassige Referenzen, muss ich zugeben), nun legen sie mit „Brazil“ nach.

Bevor ich zur Musik komme, will ich die Gelegenheit nutzen, ein altes Klischee zu hinterfragen, wonach Drummer eher kreative Deppen seien. Francesco Serasso, der Schlagzeuger von Drink To Me, hat zumindest ein ziemlich interessantes und großenteils auch gelungenes Booklet-Artwork entworfen, eine hübsche Collage aus mathematischen Formeln, Pop-Art, Psychedelic und am Gehsteig rastenden Kühen. Ähnlich experimentierfreudig geht es auch auf „Brazil“ los, und vielleicht war der Pressetext-Verweis auf das geniale Tüftel-Duo von Blonde Redhead doch nicht so unnütz. Der Gesang technisch verfremdet, überhaupt viele elektronische Spielereien, dazu ein treibendes Schlagzeug, ambitionierter Elektro-Rock mit Wiedererkennungswert. Dazu auch noch originelle Texte, die sich mit Sinnfragen und –krisen auseinandersetzen und bisweilen auch ganz witzig und hintersinnig sind. „Now Even Marx Is Dead“, singt Marco Jacopo Bianchi in „The End of History (America)“, „choked by a chewing gum, poor man.“ Bei aller minimalistischen Beschränkung und der Vorliebe für Dissonanzen überraschen Drink To Me auch immer wieder mit feinen Melodien und tanzfähigem Pop – womit ich allerdings nicht behaupten möchte, Tanzkompatibilität sei ein Kriterium für gute Musik. „David’s Hole“, ein Song über einen enttäuschten Lover mit mörderischen Absichten, ist dennoch wie für die Tanzfläche geschrieben, ein hervorragendes Stück Indie-Pop, mit dem Drink To Me beweisen, dass sich bei allen Elektro-Spielereien auch das grundlegende Kompositions-Handwerk beherrschen.

Bei aller fußballerischen Tristesse, musikalisch ist Italien mit Bands wie Mquestionmark und Drink to me – und allen voran den tollen Vickers – derzeit stark im Kommen!

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