dredg – Ringlokschuppen Bielefeld, 08.06.2011

von Hififi am 17. Juni 2011

in Feierlichkeiten

Post image for dredg – Ringlokschuppen Bielefeld, 08.06.2011

Nach den eher mäßigen Kritiken im Vorfeld zu „Chuckles And Mr. Squeezy“ – dem fünften Album von dredg – und dem erhöhten Radio Airplay der aktuellen Single „The Thought Of Losing You“, war es ein wenig fraglich, ob die Fans der ersten Stunde sich zu einem Konzertbesuch aufraffen können. Und ob es genug neue Fans geben würde, um etwaige Lücken zu füllen, ließ sich ebenfalls nicht im Vorfeld beantworten. Eigentlich kann der bloße Fakt, dass es wohl so zwischen 400 und 500 Zuschauer gewesen sein könnten, nur unzureichend die im Vorfeld aufgeworfenen Fragen beantworten.

Hingegen leichter zu beantworten die Frage, ob die Vorband Framing Hanley aus Nashville annähernd das Niveau des Hauptacts erreichen kann: Ein klares Nein dazu. Da dredg allerdings schon seit ihrem 1999er-Debüt „Leitmotif“ das Shouting wieder eingestellt haben, ist die Nähe vergangener Zeiten zum Emo/Screamo-Einerlei der Jungspunde um Framing Hanley eh marginal. Und nach 35 Minuten und acht Songs ist es bereits wieder überstanden. Die Gruppe um Sänger Kenneth Nixon konnte trotzdem sicher den ein oder anderen überzeugen, sicherlich zumindest die etwas jüngeren und die Emos der alten Schule, die das Ganze vielleicht ein wenig an Far erinnert haben könnte.

Anstatt jugendlichen Charmes versprühen die Herren um dredg nach einer gut halbstündigen Umbauphase professionelles Musikerdasein aus jeder Pore. Ohne längere Ansagen oder großes Stageacting geht es in 80 Minuten durch fast 20 Songs. Auf ausladende Prog Rock-Elemente wird also weites gehend verzichtet, wie auch zumeist auf Stücke der ersten beiden Alben „Leitmotif“ und „El Cielo“. Dafür gibt es die Hits des bis dato eingängigsten Albums „Catch Without Arms“ von 2005, die natürlich im eigentlichen Sinne keine waren. Eingängig und in dieser Form vorgetragen sind „Ode To The Sun“, „Bug Eyes“ und „Not That Simple“ allerdings voller wunderschöner Gesangsharmonien, durch die Gavin Hayes diese Band überhaupt erst ins Rampenlicht befördern konnte. Am Schlagzeug sitzt mit Dino Camapnella zudem ein absoluter Ausnahmekönner, der die aberwitzigsten Tempi-Wechsel vollzieht. In einer Band mit vier Perfektionisten fällt es allerdings schwer einen Hauch von Spontanität zu zaubern und so scheint es fast, dass dredg die Liebe zum bestmöglichen Sound eint und weniger die Nähe zu ihren Fans. Eine wahrhaft große Performance entsteht erst dann, wenn sich die Menschen hinter ihren Instrumenten offenbaren, so war es ein annähernd perfekter Auftritt von vier amerikanischen Weltklasse-Musikern. Immerhin!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Einen Kommentar hinterlassen

Previous post:

Next post: