Drag Me To Hell

von Pynchon am 19. Juni 2009

in Film ab!

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Als die ehrgeizige Bankangestellte Christine (Alison Lohman) einer alten Zigeunerin (genial abscheulich: Lorna Raver) einen Zahlungsaufschub ihrer fälligen Hypothekenzahlung verwehrt, belegt die unheimliche Frau sie mit einem bösen Fluch. Innerhalb von drei Tagen soll sie von einem Dämon gepeinigt und anschließend ins Höllenfeuer hinab gezogen werden. Während ihr Freund (Justin Long) den düsteren Prophezeiungen eines indischen Wahrsagers, den Christine in ihrer Verzweiflung aufsucht, zunächst kritisch gegenübersteht, muss er sich doch bald eingestehen, dass zunehmend seltsame Dinge mit seiner Freundin geschehen. Kann eine Geisterbeschwörerin, die vor Jahren bereits im Kampf an eben jenem grauenvollen Dämon gescheitert ist, dieses Mal helfen?

Mit dem schönen Genrefilm Drag me to hell kehrt Regisseur Sam Raimi, zuletzt unter anderem mit der Spiderman-Trilogie erfolgreich, zu seinen B-Movie-Anfängen á la „Tanz der Teufel“ zurück und verschafft in Zeiten des weltweiten Finanzkollaps all jenen Zuschauern Genugtuung, die nur zu gerne die Banker verfluchen möchten.

Der eklige Splatterfaktor ist bei Raimi im Vergleich zu seinen frühen Horrorfilmen inzwischen weitestgehend getilgt und einer rasant-unterhaltsamen Schauermär gewichen, deren Personal sich ganz klassisch aus den erprobten Genre-Figuren rekrutiert: eine Unheil bringende Zigeunerin, eine überforderte mexikanische Geisterbeschwörerin, ein teuflischer Dämon sowie eine attraktive Heldin, der wahrlich Schreckliches widerfährt und die im Angesicht ihres drohenden Untergangs über sich hinaus wachsen muss.

Hintergründig geht es vor allem, ebenfalls genretypisch, um den Einbruch des irrational Unheimlichen in eine nur scheinbar heile Welt. Exemplarisch ist hierfür der Auftritt der verwahrlosten Mrs. Ganush, die in ihrem desolaten Hygienezustand mit verfaultem Gebiss, schleimigem Mundausfluss und dreckstarrenden gelben Klauen-Fingern eine personifizierte Irritation innerhalb des von steril-sauberer Diskretion geprägten Großraumbüros der Bank verkörpert. Diese Szene ist derart großartig, dass es im Folgenden schon genügt, lediglich das ramponierte Schrottauto der alten Dame ins Bild zu setzen, um dem Zuschauer einen eisigen Schauer über den Rücken zu jagen.

Derart subtil wie beispielsweise die über Wände und Decken geisternden Schattengestalten, die ihre Wirkung nicht verfehlen, funktioniert der Horror in Drag me to hell dann aber doch nicht immer. Als wäre sich Raimi seiner Sache mitunter nicht so sicher, unterlegt er die dämonischen Attacken auf die bedauernswerte Alison Lohman zumeist mit den leider gern genutzten, übersteuerten Ton-Effekten, die ein zu simpler Kniff sind, da wohl jeder Zuschauer instinktiv zusammenzuckt, wenn ihm in einem Moment der spannungsvollen Stille krawumm-mäßig die Ohren weggeblasen werden. So was hat der Film gar nicht nötig, da er mit der wundervollen Lorna Raver einen derartigen Trumpf im Ärmel hat, der auch ohne akustische Begleitung für Angst und Schrecken sorgt. Dagegen können die um den Séance-Tisch schwebenden Gruselwesen, mit den obligatorischen Computer-Effekten generiert, glatt einpacken.

Insgesamt ein lustvoll ironischer B-Schocker mit exzellenter Bösewichtin, der den subtilen Grusel etwas vernachlässigt, dafür aber effektvoll in die Magengrube zielt!

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