Dirty Projectors – Swing Lo Magellan

von Pynchon am 21. August 2012

in Musik!

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Meine Beziehung zu der Brooklyner Artpop-Band Dirty Projectors war bislang von einer respektvollen Ratlosigkeit geprägt, nicht unähnlich der Reaktion vom geschätzten Kollegen RockinBen auf das Vor-Vorgänger Album „Rise Above“ von 2007, einer mehr oder weniger verschrobenen Hommage an die Punkband Black Flag, die wiederum ihre eigenen Songs kaum wiedererkannt haben dürfte – sollten sie denn in entbrannter Neugierde sofort in den nächsten Plattenladen gelaufen sein und zum Album der Dirty Projectors gegriffen haben. Aber wer weiß.

Nach der umständlichen Vorrede nun zum aktuellen Album „Swing Lo Magellan“, das für mich nicht weniger als ein Meisterwerk des experimentellen Indie-Pops ist, gespickt mir großartigen Kompositionen, verblüffendem Einfallsreichtum, irren und doch stimmigen Arrangements, vermutlich alles in allem das Eingänglichste, was man von der Band bislang zu hören bekam, und vermutlich auch das Beste (wobei ich mit dem Frühwerk der Projectors noch nicht vertraut bin, die Band existiert in wechselnder Besetzung bereits seit 2003).

Schade zwar, dass die engelsstimmige, äußerst charismatische Angel Deradoorian bei „Swing Lo Magellan“ nicht mit am Start ist, da sie sich eine Auszeit nimmt und lieber solo werkelt, aber der Mastermind und hauptsächliche Songsschreiber der Projectors ist ja ohnehin David Longstreth, der nach eigenem Bekunden diesmal kein Konzeptalbum im Sinn hatte, sondern auf autonome Stücke setzen wollte, die für sich sprechen.

Wer mit früheren Alben der Band vertraut ist, wird gewisse Zutaten rasch wiedererkennen: die anspruchsvollen Arrangements, die gebrochenen Rythmen, plötzlich sich erhebende Background-Chöre, dazu vetrackte Meldodien, in denen diverse Themen aus der Musikgeschichte zitiert werden. Klingt vielleicht nach verkopfter Musik, ist aber trotzdem falsch, zumindest was „Swing Lo Magellan“ anbetrifft, denn das aktuelle Werk ist angefüllt mit wundervoll komponierten Songs, die in ihrer Gesamtheit gar nicht sperrig, sondern überraschend harmonisch rüberkommen. Ohne die Rezi zu sehr ausarten zu lassen, und außerdem muss sich jeder ohnehin selbst einen Eindruck verschaffen, aber aus der Fülle von musikalischen Kostbarkeiten sind mir besonders „About To Die“ und „Just From Chevoron“ ans Herz gewachsen, so schön, so betörend und überraschend kann Popmusik nach über sechs Jahrzehnten noch sein! Im übrigen, ganz am Rande und für diejenigen, die sich das ebenso wie ich gefragt haben: Auf dem Cover sind die Bandmitglieder Longstreth und Amber Coffman im Gespräch mit ihrem Pudelmütze behäupten Nachbarn zu sehen, irgendwo auf dem Land, im Staat New York, wo die Stücke zum neuen Album geschrieben wurden. Schön unprätentiös!

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