Die Skeptiker – Fressen und Moral

von Benjamin am 29. Oktober 2009

in Musik!

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Deutschsprachiger Punk ist immer eine Gratwanderung zwischen allzu platten Parolen und kritischen Texten. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise und v.a. nach der Wahl einer schwarz-gelben Bundesregierung kommt das erste Studioalbum der Skeptiker nach 11 Jahren zum richtigen Zeitpunkt.

Musikalisch gibt es hier nicht viel innovatives, das war auch nicht zu erwarten. Direkter Punkrock, gelegentlich einige Ska-Einflüsse, so dass alles schön im Genre bleibt. Die Texte sind wichtig. Und hier ist es wichtig, dass einige Denkanstösse gegeben werden, die Refrains aber schön griffig sind und einen hohen Mitgröhlfaktor besitzen. Letzteres haben fast alle Songs. Die Themen sind neben dem globalen Turbokapitalismus (z.B. „Gerechtigkeitsproblem“) auch der nationale Überwachungsstaat: In „Finstere Zeiten“ wird Schäubles Anti-Terrorkampf mit dem Stasi-Spitzelsystem verglichen und das harte Fazit „wir sind auf dem Weg zu einer Diktatur“ gezogen. „Aufruhr“ verhandelt das Problem der Verarmung durch Hartz IV. Ein wichtiges Thema und wenn es den Skeptikern gelingt, Hartz VI-Empfänger zu politisieren, dann nehme ich auch gerne den 0815-Punkrock in Kauf. Nur: werden Die Skeptiker erhört? Von irgendwelchen pubertierenden Nachwuchspunks in gymnasialen Oberstufen garantiert, nur haben diese in den seltensten Fällen dieselben Probleme wie die besungenen. Größere Aufmerksamkeit wird das Werk also nicht erlangen, denn die ernsten Probleme werden zu platt abgehandelt.

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