Die Reise der Pinguine

von Sterereo am 20. Oktober 2005

in Film ab!

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Pfui! Tierfilme! Dokumentationen im Kino sind sowieso langweilig! Und dann auch noch diese dummen Pinguine, wie uninterssant! Leider stimmt es, obwohl es nicht an den obrigen Kriterien gelegen hat.

Es haperte eventuell am Konzept. Nachdem sich Luc Jacquets mit seiner Kamera in das ewige Eis des Südpols gewagt hat, wollte er daraus keinen interessanten Lehrfilm über Pinguine machen, sondern eine ganz persönliche Geschichte erzählen. Im Ansatz ist dies sehr löblich, doch über weite Teile des Filmes sieht der frierende Kinobesucher lediglich weiße Eislandschaften samt Bergen. Durch diesen, zugegeben neuen Eindruck unseres Heimatplanetens – an dem durch seine Ödniss allerdings schnell das Interesse abflaut, watscheln die Kaiserpinguine.

Der Kaiserpinguin macht es zum Sport kilometerlang ohne Schlaf und Fisch zu einem Ort im nirgendwo zu wandern. Dort kuschelt er sich mit seinen Artgenossen zusammen und beglückt eines der Weibchen. Romantisch, macht der Film doch an dieser Stelle klar, dass es für jeden Pinguintopf nur einen Deckel gibt. Doch hier wird es auch extram schulzig, so sollen die Pinguine Sätze wie „unser Volk wandert schon Milionen von Jahren in diese Oase der Liebe“ oder „wir tanzten den Tanz der Liebe immer und immer wieder“ sagen. Dies scheint doch etwas dick aufgetragen für eine Tier-Doku. Jedenfalls direkt nach der Geburt balanciert das Weibchen das Ei auf ihren Füßen. Durch die Schwangerschaft ausgemergelt muss sie das rohe Ei ihrem Partner übergeben, der es von nun an ausbrütet. Jetzt läuft sie wieder Tage und kilometerweit durch die Einöde, und so kommt es auch dem Zuschauer vor.

Trotz seinen geringen 80 Minuten Spielzeit gibt es doch einige (langweilige) Szenen, wo nur schwarze Kaiserpinguinrücken zu sehen sind. Sicherlich kann auf diese Weise dem Zuschauer die Beschwerlichkeit der Reise dieses armen Tieres bewusst gemacht werden, aber wer geht ins Kino um die Watschelei von Kaiserpinguinen ausführlichst mit zu erleben?

Auf der anderen Seite lebt die französiche Dokumentation (die es in den USA immerhin in die Top 10 schaffte, da von der Kirche empfohlen) von ihren großartigen Bildern. 13 lange Monate brachten 120 Stunden Filmmaterial hervor, mit sehr beeindruckenden Tieraufnahmen. So schlägt das Herz jedes Kuscheltiersammlers höher, sobald der überaus niedliche Pinguinnachwuchs unter der Wampe seines Vaters hervor schaut. Auch Unterwasseraufnahmen der Pinguine decken eine unbekannte Seite der trägen Frackträger auf. Wer hätte gedacht, dass die behäbigen Watschler unter der Wasseroberfläche zu pfeilschnellen Fischfallen mutieren? Einzig der Versuch eine glubschäugige Robbe als blutrünztigen Pinguinmörder hinzustellen wirkt hier höchst lächerlich.

In Deutschland ist es sicherlich schwer eine Tier-Doku gewinnbringend auf die große Leinwand zu bringen. Dann sollte der Produzent doch eigentlich um Unterhaltung bemüht sein, und weniger um schwerere Kinokost rund um den sowieso verschmähten Kaiserpinguin. In Amerkika hat es jedenfalls dennoch funktioniert, und auch hier schlagen Kritiker Purzelbäume. Einzig dem gemeinen Kinozuschauer sei geraten sich eine warme Winterdecke mit in den Saal zu nehmen.

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 RockinBen Oktober 20, 2005 um 17:33 Uhr

[I]und dann fragst du mich: „was siehst du am liebsten an?“ ich sag: „Naturfilme, weil man da sehen kann, wie schön die Welt ist und was die Tiere tun, wohin die Vögel zieh’n, wenn es kalt wird in Berlin“[/I]

um es mit Funny van Dannen zu sagen…

2 Ghostwriter Oktober 22, 2005 um 01:07 Uhr

das bild solltest du mal neu verlinken

ansonsten lese ich nur was ich mir schon fast gedacht habe, ein film den man definitiv nicht sehen muss

3 Sterereo Oktober 22, 2005 um 16:40 Uhr

Ja, ich müsste nahezu alle Bilder neu verlinken. Und ich glaube ich fange jetzt damit an. Sonst wird es irgendwann richtig unübersichtlicht.

Ansonsten kann man das so nicht sagen. Dokus können äußerst unterhaltsam sein. Denk an Micheal Moore. Nagut, keine Tierdokumentationen, aber da kann man als sehr unerhaltsames Beispiel immernoch Disney’s „Die Wüste lebt“ anführen. Dieser Film allerdings hat mich enttäuscht, wie zu lesen ist.

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