Die Antwoord – TEN$ION

von am 6. März 2012

in Musik!

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Bah! Was ist das wieder für ein schäbiges Vieh, das das südafrikanische Kollektiv da wieder aus den gammeligsten Ecken der menschliche Seele zusammengesammelt hat. „Ten$ion“ klingt nach Ghettoleben. Zumindest wie das, das man als unbedarfter Mittelklasse-Europäer so aus Zeitung, Nachrichten und Rapvideos kennt. Die Antwoord verkörpert wie kaum ein anderes Kollektiv das Internet. Hier begann die Erfolgsgeschichte: Aus diesem digitalen Sündenpfuhl wurden dann auch viele der großen und kleinen, widerlichen Abscheulichkeiten kopiert, kombiniert und mit den Errungenschaften des globalen Netzwerks zu bösartig-funkelnden, ironisch-grinsenden Trashpop amalgamiert: Porno, Gewalt, Materialismus, Gier, Oberflächlichkeit. Aber auch Mut zum Überleben, kreative Wut und ungebremstes Mitteilungsbedürfnis. Schon als Die Antwoord vor ein paar Jahren das erste Mal ihr Publikum mit sensationeller Nachdrücklichkeit die sensationslüsterne Netzwelt verzückt-schockierte, waren die Feuilletons voll von Analysen, Erklärungen und kopfschüttelndem Entsetzen. Aber wegschauen wollte auch niemand. Weghören auch nicht, auch weil der vermeintliche Müll wesentlich besser klang, als man es sich eingestehen wollte.

Auf Ten$ion geht die Geisterbahnfahrt nun weiter. Durch eine abgefuckte Welt voller Pseudotabus wird immer schön draufgehalten und nachgetreten. Der Aufprall entsteht dadurch, dass ein gut gemachter CGI-Effekt hinter jeder Ecke lauert und einen genau dann anspringt, wenn man glaubt, man könne durch nichts mehr geschockt werden. Sound und Vision gehen durchgängig Hand in Hand. Durchzogen von fiesen Zuhälter- und Pädophilenphantasien (man beachte den ekelerregenden Dialog „Uncle Jimmy“) rappen sich die beiden Frontfreaks durch eine immerzu pumpende, aufgeputschte, gnadenlos schlechte Welt, in der jeder selbst sehen muss, wo er bleibt. „To my sexy boys/ And my fancy boys/ And my playboys/ and my bad boys/ And my pretty boys, and my ugly boys/ And my naughty boys“, so ruft Kindfrau Yo Landi die Unterwelt der Suburbs zusammen: „I think you’re freeky/ and I like you a lot!“

Der Mann im Hintergrund ist DJ Hi Tek und sorgt für das entsprechende Setting aus gewalttätigem Eurotrash-Pop, Asi-Rap, absichtlich billig klingen, aber gut gemachten Breakbeats. Zusammen ergibt das eine Mischung, die es in sich hat. Gerade zusammen mit der antisuperheldenhaften Selbstdarstellung der beiden Protagonisten und den immer noch verstörenden, schamlos-brutalen Videos ist auch das zweite Album von Die Antwoord ein Wesen wie aus Frankensteins Monsterlabor. Hip-Hop-Gangsterklischees werden hier dermaßen auf die Spitze getrieben, dass es nur als beißende Satire gemeint sein kann. Hofft man, will man, darf nicht anders sein.

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