dEUS – Vantage Point

von Benjamin am 21. Mai 2008

in Musik!

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Manchmal fällt es sehr schwer, sich von der vergangenen Qualität einer Band zu trennen, auch wenn diese natürlich schwer objektiv zu bewerten ist; die Schwierigkeit aller Rezensionen. Aus dem Geiste der Menschen entstanden, ist die Kunst das, was sich dem Menschen mit seiner Sprache am meisten entzieht, jeder sieht dort etwas anderes. Und jeder, der sich anmaßt, eine Definition von Kunst lieferen zu können, entfernt sich gleichzeitig unendlich weit von ihr. Und doch tut man es jeden Tag. Rezensenten und Kritiker sind mitnichten Beherrscher präzisen Handwerks, sondern mehr Kartographen in der Dunkelheit mit lichtarmen batterieschwachen Taschenlampen und stumpfen Bleistiften auf handgeschöpftem Papier. Im Falle von dEUS könnte Rezensenten recht schnell ein Licht aufgehen, dessen Helligkeit sie genau kennen. Sie sehen hier das Licht eines Sterns, dessen Licht ja bekanntlich schon so lange unterwegs ist, dass wir es noch sehen, wenn der Stern selbst lange verglüht ist. dEUS‘ „Vantage Point“-Licht ist jetzt angekommen, der Stern dEUS und sein Aszendent „Vantage Point“ sind aber lange verglüht. Die Traurigkeit dieser Tatsache ist auf dem neuen Album nur genau zu hören. Klingt streckenweise so, als hätte man Studiomusiker angeheuert, plötzlich kreativ zu sein. Dabei kommt nichts heraus außer tongewordenem Stillstand. Klingen die Alben bis inklusive „The Ideal Crash“ noch wie überfüllte Spielzeugkisten, die ein Kind mit morgendlicher Ausgeschlafenheit umstößt, um den ganzen Tag daraus Welten zu bauen, ungeachtet aller bisher aufgestellten Popmusik-Regeln, ist seit „Pocket Revolution“ Schluss damit. Das letzte Album stieß einen förmlich um mit seiner dumpfen Kreativlosigkeit, wie der Smog einer Großstadt nach einer Woche Urlaub am Strand. Das neue Album wirkt wie ein Gips um den Geist der musikalischen Freiheit. Der Wunsch, sich in Songs und Melodien zu verewigen wird Tom Barman sicher auch in Zukunft nicht verlassen, das ist auch gut so, deswegen ja auch ein neues Album, und die ein oder andere Schönheit ist auch auf „Vantage Point“ zu erkennen, das etwas epischere „Slow“ z.B., aber es ist finster um dEUS geworden. Wenig bis keine Melodie, niemals sorgfältig erdacht, außer in „The Architect“ vielleicht, und das alles einfallslos produziert und arrangiert. Das Album ist im wahrsten Sinne des Wortes monoton. Monoton gesungen und monoton gespielt. Das fällt einem eben besonders dadurch auf, dass sich auf vergangenen Alben selten ein Stück wie das nächste anhörte. Sogar innerhalb der Stücke hörten sich die Stücke nicht mehr an, wie das Stück selbst. Verzerrungen und dumpfe Rocktöne herrschen hier vor, riffartig, rockriffartig, aber ganz schmierig. Aus lauter Ratlosigkeit werden dann wohlwollende Rezensionen geschrieben, vielleicht auch, weil man sich gegenüber einem immer noch großen Namen wie dEUS eher hilflos fühlt. Niemals soll man nie sagen, und wer die großartigen ersten Alben dEUS‘ erfahren hat, hofft auf ein Wiederkehren dieser Größe. Mit „Vantage Point“ ist die aber noch nicht wieder da.

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