dEUS – Skater Palace Münster, 4.3.06

von Sterereo am 5. März 2006

in Feierlichkeiten

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Ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten sollte. Ich kannte lediglich den Hit „Suds & Soda“ von diversen Mixtapes meines Bruders. Doch dEUS ist mit einer neuen Platte („Pocket Revolution“) auf Tour, von der ich, wie gesagt, keine Ahnung hatte.

Aber wie das immer so ist, wenn Konzerte anstehen. Irgendwie ist es viel zu geil eine gute Rockkombo live erleben zu können. Somit brauchte es keine übermäßige Überredungskunst mich an besagtem Abend in Skater Palace in Münster zu locken. An eine Wand mitten im Industriegebiet stehen dutzende Fahrräder gelehnt; Hier muss es sein. Eine nicht wirklich warme Halle mit ein paar Rampen und einer Bühne. Auf der Karte steht „dEUS & Gäste“. Doch wer sind die Gäste? Antwort gibt das Plakat am Merchandise-Stand: „Absinthe Minded“ heißt die ebenfalls aus Belgien stammende Vorband. Die fängt auch pünktlich an und irgendwann locken uns die eigenartigen Töne Richtung Bühne. Bedingt durch die für ein Konzert ungünstige Pfeiler-Bauweise der Halle stehen wir etwas abseits der Bühne und überblicken nicht das gesamte Ausmaß der Instrumentierung. Ein beschlipster Unterhemdträger tauschte gerne und oft seine Fidel gegen Kontrabass, Trompete und Mundharmonika. Wäre es nicht die Vorband gewesen und sie hätten ein komplettes Set gespielt, bin ich sicher wäre noch die Gießkanne und der Kamm zum Einsatz gekommen. Wir einigen uns darauf, dass die Musik live sehr viel Spaß macht und auf Platte sicherlich irgendwann zu nerven anfängt. Da wir aber keine Platten von denen gehört haben, wird die Band als gut befunden.

Die Vereinigung der Gruppe und Umpositionierung auf die hintersteten Ränge später, scheint jemand irgendwann mein quengelndes „Anfangen!“ gehört zu haben. Promt geht die Beleuchtung aus und man wird von lila Licht geblendet. Schatten huschen auf die Bühne, die erste Reihe freut sich. Frontmann Barman haucht die ersten Strophen eines Songs (wie gesagt, ich kenne keine Lieder, bis auf „Suds & Soda“) in eines seiner beiden Mikrophone, wunderschön begleitet von seiner Akustikgitarre. Der Song schaukelt sich, wie alle, langsam hoch, Gitarren setzen ein, irgendwann ist es eine Wand. Die Melodien werden zelebriert, man denkt, es könne ewig so weiter gehen. Plötzlich ein Bruch in der Struktur, der Schönling der Band schreit einige Male ins Mikro und dieser Song ist aus. Kranker Scheiß, aber irgendwie cool. Einmal erkenne ich etwas wieder, im Refrain wird „worst case scenario“ geschrienen. Ich glaube so heißt auch ein Album. Das Set dauert ziemlich exakt 60 Minuten. Danach geht dEUS obligatorisch von der Bühne, um für drei Zugaben zurück zu kommen. Dann ist es auch endlich soweit: „Suds & Soda“ als letztes Stück des Abends. Zum Schluss brüllt Barman der hüpfenden Menge noch einen Ohrwurm für die Heimfahrt entgegen: Listen All Of Y’all/It’s A Sabotage, frei nach den Beastie Boys.

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1 otic März 7, 2006 um 14:00 Uhr

Na, wenigstens ein paar Songtitel will ich noch beisteuern:

Insgesamt ein überraschend durchgestyltes und publikumsfreundliches Set mit vielen, z.T. lang nicht mehr gehörten Hits: Das bereits erwähnte“ W.C.S.“, „Via“, „Instant Street“, „Little Arithmetics“, „Theme from Turnpike“, vieles von der neuen Platte, und schließlich auch „Suds & Soda“.
Das ganze umrahmt von einer, bis ins kleinste Detail perfekt abgestimmten, Lightshow und mit großen R’n’R-Pose inszeniert. Tom Barman scheint sich nun endgültig für den belgischen Thom Yorke zu halten. dEUS sind aber weiterhin wesentlich weniger experimentell und „more down to earth“, als ihre britischen Kollegen. Auch aus nostalgischen Gründen ein sehr angenehmes Konzert, aber die letzten Quäntchen Schrägheit & Wagemut haben leider gefehlt.
Großartige Vorband übrigens, die live richtig Laune gemacht haben. Zuhause im stillen Kämmerlein, da stimme ich zu, eher seltener gewollt – außer zum Putzen vielleicht….
😉

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