Der seltsame Fall des Benjamin Button

von Sterereo am 4. Februar 2009

in Film ab!

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Wenn Eric Roth ein Drehbuch schreibt, dann bedient er sich gerne bei kuriosen Geschichten die durch die amerikanischen Historie führen. So ist „Forrest Gump“ entstanden und jetzt auch „Der seltsame Fall des Benjamin Button“. Da altert ein faltiges Baby stringent rückwärts und verjüngt sich durch die 1930er Jahre in New Orleans, den 2. Weltkrieg, der Beatles-Mania und dem Aussteigertum der 70er Jahre.

Doch die geschichtlichen Eckpfeiler bilden nur das Korsett dieser intelligenten Parabel auf das Leben und den Tod. Denn während Benjamin zusieht wie seine geliebten Menschen altern und sich auf den letzten Gang vorbereiten, pulsiert in seinem Körper die Jugendlichkeit. Doch seine Lektion als Sonderling musste er schon früh machen, als sein Vater erschrocken vom Säugling im Greisenkörper ihn in seiner Verzweiflung auf die Stufen des Altersheims bettet. Langsam breitet sich jetzt die Geschichte um den gebrechlichen Jungen aus, das vermutlich kurze Leben des kranken Kindes wird immer vitaler, bis er sich mit immer voller werdenden Haar auf dem Weg in die Welt macht.

Regisseur David Finch („Fightclub“, „Sieben“) beweist eine sichere Hand seinen Kumpel Brad Pitt in manchmal gemächlichen und manchmal wilden Bildern in Szene zu setzen. Der dankt es ihm mit einer gekonnten Darstellung, vom hinkenden Dandy mit grauer Mähne bis zum coolen Biker mit deanschen Augenaufschlag. An seiner Seite spielt nach „Babel“ zum zweiten Mal Cate Blanchett, diesmal als bildhübsche Tänzerin Daisy. Für diese Frau fehlen mir hier die Superlativen. Brillant mausert sie sich in den 166 Minuten Spielzeit von der schnatterigen Hupfdole zur starken Weltfrau. Neben ihr erwecken unzählige Nebencharaktere die Welt des Benjamin Button zum Leben. Manchmal wird ein Faden unverhofft fallen gelassen, nur um ihn für einen ergreifenden Moment später wieder auf zu nehmen. Selbst die Rahmenhandlung um die sterbende Daisy während des Höllensturms Katrina ist mehr als eine Stecknadel auf dem rückläufigen Zeitstrahl dieser seltsamen Lebensgeschichte und ein weiterer Mosaikstein des Abschiednehmens.

Der Oscar-Favorit macht scheinbar alles richtig. Über manche Längen helfen kauzige Running-Gags hinweg und verkürzen die Zeit zum nächsten magischen Kino-Moment. Dann stellen Benjamin und seine Daisy fest, dass sie sich fast gleichen Alters „in der Mitte treffen“ und verträumt in den Spiegel schauen. Die Ausgeliefertheit gegenüber der Vergänglichkeit greift in diesen Momenten auf den Zuschauer über und begleitet ihn über den Abspann hinaus.

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{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 Hififi Februar 4, 2009 um 13:48 Uhr

Klingt spannend, vielleicht sollte ich mal wieder ins Kino gehen?!

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