Decemberists – The Hazards Of Love

von Sterereo am 30. März 2009

in Musik!

Post image for Decemberists – The Hazards Of Love

Ist Colin Meloy ein postmoderner Barde, dann sind The Decemberits seine Spielmannstruppe. Sind es auf „Pisquaresce“ noch eher seine Anekdoten von militanten Hausfrauen, weht auf „The Crane Wife“ fernöstlicher Märchenwind mit der in drei Teilen erzählten Sage einer Kranichfrau und ihrem habgierigen Mann. Die fast logische Steigerung auf „The Hazards Of Love“ ist ein albumfüllendes Liebesepos um die schwangere Margaret, ihrem Liebhaber, dem Zentauren William und allerlei fantastischer Widersacher.

Nein, kein Hörbuch mit Umgebungsgeräuschen begleitet Margaret auf ihrem tragischen Abenteuer. Auch die vollmündig von Colin Meloy angekündigte Vermischung von Folk und Metal entfesseln sich nur in vorübergehende Sturmböen, sobald der Spannungsbogen sich zum Katzebuckel reckt. Stattdessen wird die Geschichte sorgfältig vorbereitet, Margret wird in bewährter Decemberists-Manier mit akustischem Gitarrenzupfen und Meloys markigem Gesang eingeführt. In „Won’t Want For Love“ kommt sie erstmals selbst zu Wort. Natürlich sind die Rollen verteilt, und Becky Stark der Lavender Diamonds ist die Stimme das naiven Mädchens, dass sich auf den Weg in den finsteren Wald zu ihrem Liebling macht. Dort entdeckt die eifersüchtige Waldkönigin das junge Liebesglück und im zweiten Teil von „The Hazards Of Love“ nimmt das Unglück in zerstörerischen 70s Prog-Rock-Songs, die an Led Zepplin erinnern, seinen Lauf. Die Stimmung schlägt um, aus den süßen Duetten zwischen Meloy und Stark werden unheilschwangere Songmonster, jetzt transportiert Shara Worden (My Brightest Diamond) die Bedrohung als giftige Waldkönigin („The Queens Rebuke”) samt gefährlichem Gefolge („Rake’s Song“).

Anders als in kitschig-klebrigen Broadway-Musicals erzählt die bewährte Instrumentalisierung der Decemberists die Geschichte und erschafft eine nicht für möglich gehaltene, musikalische und erzählerische Dichte. Trotzdem wäre „The Hazards Of Love“, mit seinen tragenden, ebenso betitelten Songs, ohne Colin Meloys klagenden Gesang und bedingungsloser Liebe zu außergewöhnlichen Geschichten nicht der Geniestreich geworden, den Margrets Märchen in meinem Kopfkino ist. Doch sich auf Albumlänge auf einen so verzehrenden Trip einzulassen ist eine andere Herausforderung, als drei in Verbindung stehender Songs auf „The Crane Wife“ zu folgen. Doch wer den Eingang findet, der verirrt sich bald vollständig in den fast Grimmschen Märchenwald.

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: