Dear Reader – Replace Why With Funny

von Sterereo am 23. Februar 2009

in Musik!

Post image for Dear Reader – Replace Why With Funny

Huch. Johannesburg? London oder Montreal hätte ich verstanden, aber wie kommt dieser Indie-Pop nach Südafrika? Gute Frage, denn Herzstück von Dear Reader ist Cherilyn McNeils wundervolle Stimme, welche ausgerechnet nach Kate Nash klingt. Doch hier geht es nicht um hibbelige Popsongs um bröckelnde Beziehungen, sondern um wärmende Pop-Songs im Makrokosmos der unerreichten Arcade Fire.

Diesen Vergleich muss sich Dear Reader mit ihrem „Replace Why With Funny“ häufig gefallen lassen. Dabei meist zu unrecht, denn hier ist trotz aller Ambitionen nur ein Trio am Werk, was trotz sorgfältiger Instrumentalisierung auffällt. Kein echtes Manko, denn Cherilyn McNeil, Darryl Torr und Michael Wright schaffen es doch stellenweise an den tief schürfenden Glanz des Kollektivs heran zu reichen. Dann sehnsüchten die Streicher, hämmern die Drums und Becken während Cherilyn ihr Herz ausschüttet. Besonders bei „Dearheart“ (Gratis-Download-Link) stimmt diese Mischung. Doch auch „Great White Bear“ mit seiner wunderschönen, kleinen Pianomelodie ist ein großartiger Pop-Song. Noch bevor sich das Stück in eine sonnige Verfolgungsjagd verwandelt, schimmert wieder das kanadische Montréal durch, diesmal in Gestalt der Stars. Ab und an schrammt Chef-Songwriterin Cherilyn an folkige Momente heran, schafft aber immer wieder mit dem Pianospiel und den unzähligen Ideen aus Chören, Streichern und Effekten, das Ruder herum zu reißen. Nicht selten breiten sich die Songs mit jeder voranschreitenden Sekunde weiter aus, wie ein Tischlein-Deck-Dich.

Zusammen mit Brent Knopf (Menomena) schafften Dear Reader auf „Replace Why With Funny“ ein feines Pop-Album, dessen Songwriting immer wieder auf positive Weise verwundert ohne dabei grundlegend zu überraschen. Jedoch handelt es sich dabei mehr um ein poppiges Mädchen-Album, dass hinter den steinerweichenden, metrosexuellen Pop-Perlen von Anthony And The Johnsons ansteht. Trotzdem, mit diesem absolut gelungenem Debüt verschiebt sich der Indie-Pop-Horizont ein wenig in die Richtung der rauen Wellen des Südkaps von Afrika.

Hier: Das volle Album im Stream hören!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: