Dear Reader – Forum Bielefeld, 17.04.09

von Hififi am 23. April 2009

in Feierlichkeiten

Post image for Dear Reader – Forum Bielefeld, 17.04.09

Wenn das so weiter geht und Dear Reader nicht irgendwann die Schnauze voll haben, den derzeit besten Folk-Pop zu spielen, dann werden sie bis zum Ende des Jahres wohl auf eine beachtliche Fanbasis zählen können. Und entgegen aller Erwartungen und den notorisch falschen Einschätzungen meinerseits können die Südafrikaner offensichtlich in Bielefeld bereits auf eine Vorstufe einer Fangemeinschaft zurückgreifen, die schon rege applaudiert, obwohl noch keine Note gespielt wurde.

Cherylin MacNeil scheint dem Braten auch nicht sofort zu trauen und wirkt etwas irritiert, scheint nicht glauben zu können, dass die Begeisterung wirklich den vier Musikern auf der Bühne gilt. Die letzten Skeptiker sind schnell überzeugt und Songs der Marke „Never Goes“ und „The Same“ verfehlen ihre Wirkung selten. Von einem gewissen Pomp getragen, sind sie von zeitloser Güte und Intensität, wie sie nur selten entstehen. Kate Nash lässt grüßen und stinkt gleich ein stückweit ab, wenn es um die textlichen Inhalte geht, die, vergleicht man die Lebensumstände, bzw. die Herkunft der Musiker, ganz offensichtliche weltpolitische Querlagen aufzuzeigen in der Lage sind, während Kate Nash ihren Alltagsbeobachtungen frönt. Gut, Äpfel mit Birnen vergleichen kann jeder, aber MacNeil singt nun einmal in derselben Liga, wie Kate Nash und Regina Spektor. Jedenfalls sind die Drei (heute mit Verstärkung an der Violine) live eine Macht und häufen Schicht auf Schicht, loopen MacNeil’s Gesang, bis sich ein gewaltiger Chor ergibt und Eindruck schindet. Wahrscheinlich hätte es mich persönlich ohne den Bombast mehr überzeugt; ein reduziertes Konzert auf überwiegend akustischen Instrumenten, die den Folk-Moment etwas mehr unterstrichen hätten, ohne so viel Zuckerwatte um die Essenz der Songs zu packen. Aber das ist wieder einmal reine Geschmackssache.

Zuvor beehren uns zwei alte Bekannte, Lydia van Maurik-Wever und Arjen van Wijk, Gesang und Orgel bei Brown Feather Sparrow und heute in Form ihrer zweiten Band This Beautiful Mess angereist um ein wenig Ian Curtis-Gedächtnismukke in ein Popkorsett zu zwängen, welche ein wenig an Editors erinnert. Wobei van Wijk’s Gesang mich wirklich überzeugt, die Melodieführung mehr als einmal vorbildlich inszeniert wird, aber komischerweise zu keiner Zeit der Funke vollkommen überspringt. Ich kann es gar nicht genau erklären, habe mehr als einmal überzeugt mit dem Kopf genickt und es im nächsten Moment gleich wieder bleiben lassen. Alles in allem ein weiterer gelungener Abend im alterwürdigen Forum!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: