Dean Wareham Plays Galaxie 500, 26.04.2011, Gleis 22 Münster

von am 30. April 2011

in Feierlichkeiten

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Legenden-Zeit again!

Britta Philipps & Dean Wareham sind für den Gitarren-Dreampop das, was Kim Gordon & Thurston Moore für den Noise-Rock und Georgia Hubley & Ira Kaplan für Indierock sind: eine perfekte Paarkonstellation, die über Jahrzehnte hinweg gemeinsam ihre jeweiligen Musikgenres dermaßen eng mit ihren Namen verknüpft haben, dass dieses ohne sie kaum noch vorstellbar wäre. Von Sonic Youth über Yo La Tengo bis zu Luna nimmt der Bekanntheitsgrad allerdings konstant ab. Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass es Wareham nie um eine spektakuläre Inszenierung ging, was der Qualität seiner Musik aber keinerlei Abbruch tat, im Gegenteil. In der Verknüpfung von Subtilität und Zurückhaltung mit immer neuen Ideen und einer ästhetischer Sensibilität ist Wareham bis heute einzigartig. Sei es als Frontmann von Luna, mit der er seit 1991 melancholisch-perfekten Indiepop mit zum Teil augenzwinkernden Kuriositäten veröffentlichte, bis er die Band 2005 offiziell auflöste, oder als Dean & Britta.

(Der grandiose Tourfilm „Tell Me Do You Miss Me“ (Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=8fIdy1UYVR8) zeigt eine sympathische Band, die hin- und hergerissen zwischen Zukunftsängsten, künstlerischem Wirken, ihrem ewigen Geheimstatus und dem, was sie zustande bringt, nämlich tief berührende Musik, jenseits von Pop-Sensationismen und Medienhypes.)

Auf der gegenwärtigen Tour geht Wareham einen großen Schritt zurück in die Achtziger Jahre, in denen er mit seiner ersten Band Galaxie 500 das definierte, was seine Musik bis heute ausmacht: die unprätentiöse Darstellung von Emotionen, Melancholie. Aber auch eine ganz besondere Sicht auf die Welt sowie laute Gitarren, die trotzdem niemals aggressiv klingen, sondern immer eine geradezu majestätische Schönheit beinhalten. In diesem vermeintlichen Konflikt liegt vielleicht der Grund dafür, dass Warehams Musik eher von Kennern, als von der breiten Masse wahrgenommen wird. Man braucht als Hörer einerseits etwas Zeit, um sich von den abgedroschenen Rock’n’Roll-Klischees im Kopf zu lösen, um sich auf diese Zerbrechlichkeit einzulassen. Hat man die Deckung dann aufgegeben, kriegt man ellenlange Gitarrenfeedbacks um die Ohren gehauen, wie sie schon damals Velvet Underground auf „Sister Ray“ veranstalteten und damit viele Hörer verschreckt glauben ließen, mit ihrer Plattennadel könnte etwas nicht stimmen. Apropos Lou Reed, auch das Faible für Warhol und Co teilen Dean & Britta ebenfalls mit den oben genannten Alternative-Rock-Ehepaaren.

Die Zusammensetzung des Publikums im Münsteraner Gleis 22 untermauert Warehams Dauerabonnement auf seinen Status als Musiker-Musiker. In dem knapp zu zwei Dritteln gefüllten Club befindet sich mit Sicherheit niemand, der nicht sowieso schon Fan ist. Im Gegensatz zu den Dean-&-Britta-Shows der letzten Jahre besteht die Setlist fast ausschließlich aus Galaxie-500-Stücken, die es trotz aller Melancholie kraftvoll in sich haben. Nostalgiker könnten bemäkeln, dass es sich nicht um die „echten“ Galaxie 500 handele, sondern nur um deren Frontmann mit anderer Backing-Band. Allerdings spielt das an diesem Abend überhaupt keine Rolle. Wareham gibt eine grandiose, aktualisierte Version seiner ehemaligen Band zum Besten. „Snowstorm“, „Strange“, „Fourth Of July“, „Tugboat“ werden zeitgemäß aufgearbeitet und durch Warehams Falsetto-Stimme, Brittas Bass, langen Gitarrensoli perfekt in Szene gesetzt. Zwischendurch erzählt Wareham in gebrochenem Deutsch, wie er in der Achtziger Jahren seine Studienzeit in Kiel verbracht habe. Anschließend ist es um alle Anwesenden endgültig geschehen, denn

spätestens mit Brittas engelhafter Performance von „Listen The Snow Is Falling“ sind selbst Kritiker versöhnt und gleich darauf auch verzaubert.

Als Zugabe gibt es noch Dylans „I’ll Keep It With Mine“, das 2009 für „13 Most Beautiful… Songs for Andy Warhol’s Screen Tests“ aufgenommen wurde. Es folgt noch die lärmige Version von New Orders „Ceremony“, das bereits auf dem Reissure vom 1989er Galaxie-500-Album „On Fire“ zu hören war. Schließlich fragt Wareham, wie das Champions-League-Spiel ausgegangen sei. Keiner kann ihm antworten. Wer mit derart glänzenden Augen vor der Bühne steht, hat andere Dinge im Sinn als Fußball.

Referenzalben für Neueinsteiger:

Galaxie 500 – „On Fire“

Luna – „Bewitched“

Dean & Britta – „Back Numbers“

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