Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders

von Hififi am 5. Oktober 2006

in Film ab!

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Jetzt hat Tom Tykwer tatsächlich sein Meisterwerk geschaffen, schließlich war „Lola rennt“ mehr etwas für pubertierende Teenager. Jedenfalls spielt „Das Parfum“ in einer völlig anderen Liga, denn nicht nur die Liebe zum Detail ist atemberaubend, auch die Umsetzung der Romanvorlage ist schlüssig. Gewisse Aussparungen zum Wohle des Films waren sicherlich unausweichlich, schließlich sollte man einen Film auch unabhängig von der jeweiligen Vorlage gucken können, ohne gleich das große Meckern zu bekommen, wenn etwas geändert wurde. Seinerzeit hat der große Stanley Kubrick „Das Parfum“ für unverfilmbar erklärt, Tykwer beweist uns das Gegenteil.

1738 kommt Jean-Baptiste Grenouille (Ben Whishaw) in Paris zur Welt. Alle Zeichen stehen auf ein kurzes Leben, denn er wächst im Weisenhaus auf und wird im zarten Alter von 13 Jahren an den Gerber Grimal verkauft. Im Verlauf seiner Teenagerjahre trainiert der Junge seine besondere Begabung: Er kann tausende von Gerüchen katalogisieren und sie in ihre Einzelteile zerlegen. Als er eines Tages dem Parfumeur Giuseppe Baldini (Dustin Hoffman) begegnet und ihn von seiner Begabung überzeugen kann, weiht dieser Grenouille in die Kunst der Destillation von Gerüchen ein. Grenouilles eigentliches Ziel ist es, den menschlichen Eigengeruch zu extrahieren, aber diesen Wunsch kann Baldini ihm nicht erfüllen, so dass er sich auf den Weg nach Grasse macht, um die Kunst der Enfleurage zu erlernen. In Grasse schlüpft Jean-Baptiste unter die Fittiche von Madame Arnulfi (Corinna Harfouch), die ihm die Technik lehrt, durch die sämtliche Düfte mit Hilfe von Fett und Ölen konserviert werden können. Bald nimmt ein teuflischer Plan Gestalt an: Grenouille will den ultimativen Duft gewinnen, indem er den Eigengeruch von Jungfrauen festhält, die er vorher umbringt.

Die Liebe zum Detail und die geballte Schönheit (bzw. Hässlichkeit) der Bilder sind die beiden Hauptgründe, die „Das Parfum“ zu etwas besonderem machen. Der omnipräsente Pariser Dreck des 18. Jahrhunderts ist erdrückend, die Bilder sind erbarmungslos und schocken ihre Betrachter. Ganz ehrlich: Wir können alle froh sein, das nicht riechen zu müssen. Denn, den großen Nachteil den der Film natürlich hat: Er kann keine Gerüche transportieren. Aber hier liegt auch die Stärke, denn Eichinger und Tykwer haben es geschafft, dieses Manko nur durch die Macht der Bildsprache zu kompensieren. Auch die Besetzung der Hauptrolle des Grenouille durch Ben Whishaw ist gelungen. Die abgrundtiefe Hässlichkeit des Romanprotagonisten wird durch die ausdruckslose, fast autistische Darstellungsweise des Grenouille ersetzt. Ein geschickter Schachzug, der dem Zuschauer ermöglicht diese Kreatur ein stückweit als Opfer zu sehen, als Opfer einer fast noch mittelalterlichen Gesellschaft, die keine Barmherzigkeit kennt. Auf der anderen Seite spart Tykwer ein wenig die Besessenheit Grenouilles aus, das Dämonische, dass wiederum in Süskinds Roman gut zur Geltung kommt. Man könnte noch viel kritisieren, schließlich unterscheidet sich die Filmversion in vielen Aspekten von der Romanvorlage, aber hier liegt nicht der Punkt. Tykwers Version ist in sich schlüssig, die Schauspieler leisten gute Arbeit und die Bilder sind atemberaubend, da kann man schnell über ein paar Ungereimtheiten gegenüber dem Roman hinwegsehen.

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1 RockinBen Oktober 10, 2006 um 13:39 Uhr

Jupp, guter Film! Und noch toller für Leute die das Buch nicht kennen und keine Vergleiche ziehen können. Dann wirkt der Film – glaub ich – erst richtig. Glaube aber auch, dass wer nach dem Film das Buch liest, enttäuscht vom Buch sein könnte, aber da ist wieder das alte Problem, welches durch 2 unterschiedliche Medien nun mal entsteht…

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