Darkness Over X-Mas Tour 2008 – X Herford, 27.12.2008

von JonesKorn am 29. Dezember 2008

in Feierlichkeiten

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Weihnachten, die Zeit der Ruhe und der Besinnlichkeit. Zeit zu entspannen, sich zurück zu lehnen, Kerzen zu entzünden und dabei Kekse zu futtern. Nun: Weihnachten ist vorbei. Statt der Gemütlichkeit kann mal wieder etwas aufregendes passieren und statt Glocken können auch mal wieder die Ohren läuten. Genau das geschah am Samstag, 27. Dezember 2008 bei der Darkness Over X-Mas Tour, als diese im X Station gemacht hat. Mit reichlich Widerhall im Ohr wurde das Ende der Weihnachtszeit und der kommende Jahreswechsel begrüßt, dem geneigten Hörer zeigten sich an diesem Abend Legion Of The Damned, Sonic Syndicate, Neaera, Callejón, Lay Down Rotten und Anima.

Nach einer gefühlten halben Stunde Wartezeit in der Kälte vor dem Eingang deuteten sich bereits zwei Dinge für diesen Abend an. Erstens: bei einem Konzert dieser Art im X trifft man immer eine Menge Bekannte und zweitens: der Großteil des Publikums ist garantiert nicht wegen des niederländischen Headliners Legion Of The Damned nach Herford gekommen, kennt ihn vielleicht gar nicht. So freue ich mich über die vereinzelten Kutten hier und da.

Den Beginn machen Anima (Thüringen), leider(?) sitzen wir da noch beim ersten Bier im Raucherraum und das was uns an Schall erreicht, bewegt uns auch nicht gerade dazu diesen zu verlassen. Zum letzten Titel sind wir dann doch vor der Bühne, das X ist noch nicht wirklich gut gefüllt und ich denke, es war einfach eine halbe Stunde zu früh, mit dem Konzert zu beginnen oder eine halbe Stunde zu spät, um dem Publikum Einlass zu gewähren. Musikalisch betrachtet haben wir zwar nicht das Gefühl etwas verpasst zu haben, schade für die Band ist so etwas aber trotzdem.

Etwas besser gefüllt ist es bereits zu Lay Down Rotten (Hessen), die musikalisch und optisch am ehesten zum Headliner passen und ordentlichen Death Metal spielen. Entsprechend gemäßigt ist die Begeisterung des Publikums, das überwiegend nach Core giert und mit Metal nichts so recht anzufangen weiß. Es wird trotzdem gebangt und etwas gemosht, kochende Stimmung sieht aber anders aus. Wir halten uns derweil am Tresen auf. Leider bin ich an dem Abend Fahrer, zu solch guter Musik kann man eigentlich immer hervorragend ein paar Bier genießen.

Von mir persönlich mit großer Spannung erwartet wurden Callejón (NRW), von denen ich bisher nur gutes in der Presse gehört habe und denen Nähen zu Neaera, Narziss oder den zuletzt im Studio enttäuschenden Heaven Shall Burn (Iconoclast) nachgesagt werden,die mich alle mit ihrem Irgendetwas Core überzeugt haben. „Zombieactionhauptquartier“, so der Titel des kürzlich erschienenen Albums, trifft den Nagel dann aber leider zu exakt auf den Kopf. Reichlich untot wirkt das ganze und die Action in Handlungen von Zombies, naja, die kennt man aus Film und Fernsehen. Zwar ist die Band immer in Bewegung und Aufruhr und es mangelt nicht an Gestiken und derlei, aber das Publikum mag so gar nicht reagieren und erst nach der gefühlt 100sten Aufforderung (zuletzt dann verbal) bildet sich tatsächlich doch noch ein Circle Pit und es wird sogar eine kleine „Wall of Death“ zelebriert, ebenfalls erst nach hinreichender verbaler Aufforderung (den kurzzeitigen Platz auf der Tanzfläche vor der WoD haben wieder ein paar Vollpfosten genutzt, um ihr „Violent Dancing“ vorzuführen und ich frage mich echt, wieso diese Leute nicht auf direktem Weg raus geschmissen werden; das hat mit Moshing oder Pogen im Allgemeinen wirklich nichts mehr zu tun; das ist blanker Egoismus und blanke Egozentrik). Es bleiben die deutschen Texte, die der Band in meinen Augen einen Pluspunkt einbringen, denn das ist immer noch eine mutige Entscheidung. Aber live war das zumindest nichts Großartiges, „langweilig“ war das Wort, das am häufigsten in unserer Runde (von etwa einem Dutzend) fiel. Damit waren sowohl der Gesang als auch die Instrumente gemeint und die sehr einstudiert wirkenden Gestiken auf der Bühne haben auch nicht gerade dazu beigetragen, den Gesamteindruck zu verbessern.

Im Anschluss folgten Neaera (NRW), ebenfalls aus dem (Metal) Core Bereich. Gleichzeitig auch die erste Band, bei der dauerhaft gute Stimmung, fortwährendes Crowd Surfing und Moshing herrschten. Sänger Benny konnte auch noch sein Bad in der Menge genießen, indem er mit einigem Anlauf über die Absperrung vor der Bühne und ins Publikum sprang. Der ganze Auftritt zeugte von einiger Bühnenerfahrung, war ziemlich professionell und wirkte dabei eben gerade nicht einstudiert, wie es bei Callejón noch der Fall war. Das X dürfte zu dem Zeitpunkt die maximale Zuschauerzahl für diesen Abend gefasst haben, die gemessen am Lineup des Abends sicher besser hätte sein können. Voll genug war es trotzdem und auch rings an den Theken um die Tanzfläche wurde während des Neaera Auftritts durchgehend meditativ mitgenickt und gestikuliert. Vorwiegend zufriedene Gesichter.

International wurde es dann mit Sonic Syndicate (Schweden), die etwas weichgespülten Melodic Death Metal spielen (wenn überhaupt) und mit dem 2007er Album „Only Inhuman“ einigen gerechtfertigten Erfolg hatten; 2008 sind sie mit „Love And Other Disasters“ frisch in den Regalen und Versandhäusern vertreten. Auffällig ist, dass die Dame und die Herren nicht viel vom Soundcheck halten und so hat Sänger Richard die ersten zwei Songs lang mal herauf und mal herunter gedeutet, damit es endlich passte. Das war immerhin schon eine Verbesserung, 2007 hat er das mal ein ganzes Konzert (in der Druckerei, Bad Oeynhausen) über veranstaltet. Insgesamt war der Auftritt leider eher enttäuschend. Nachdem alle Titel sowohl instrumental als auch gesanglich stark begannen (überhaupt war Sonic Syndicate die einzige Band des Abends, bei der wirklich gesungen wurde) und zwischenzeitlich auch endlich einmal die Drums die Magengrube kitzelten, baute die Band spätestens nach dem ersten Drittel jedes Songs erheblich ab. Ironischerweise lag das nach meinem Dafürhalten auch an den ausgeprägten klaren Gesangteilen, die die Instrumente zu sehr in den Hintergrund gedrängt haben – und dafür ist die Stimme dann nicht markant oder interessant genug. Vor der Bühne war dennoch eine gute Stimmung und das Publikum spielte mit.

Mein musikalischer Höhepunkt des Abends waren die abschließend aufspielenden Legion Of The Damned (Niederlande). Wir haben uns direkt seitlich vor die Bühne platziert und zumindest dort waren fliegende Haare, Moshen und eine geile Atmosphäre durchgängig vorhanden. Einige Bekannte, die das Spektakel von weiter hinten beobachtet haben, wussten aber zu berichten, dass die Zuschauermenge doch merklich geschrumpft ist. Wie eingangs erwähnt sahen die meisten Besucher nicht so aus, als wüssten sie so recht etwas mit dieser Band und deren Death/Thrash Metal anzufangen, so dass dies nicht wirklich verwunderlich war (damit keine Missverständnisse aufkommen: das habe ich aus den getragenen Bandshirts an dem Abend interpretiert, die überwiegend von Corebands zeugten). Gespielt wurden alte wie neue Titel, wobei alt hier relativ ist, wenn man 2006 den ersten Langspieler veröffentlicht hat; der Einblick in das aktuelle Album „Cult Of The Dead“ war ziemlich vielversprechend. Zum gesanglichen Einbeziehen des Publikums eignet sich tatsächlich der Titel „Legion of the damned“ (vom Debutalbum Malevolent Rapture, 2006) am besten: Sänger Maurice grölt: „Legion…“ das Publikum antwortet wie aus einem Mund: „… of the damned!“; kurzzeitig entsteht ein bisschen Open Air Gefühl. Trotz Zugabe war der Auftritt etwas knapp bemessen für meinen Geschmack, nach insgesamt sechs Bands ist man aber auch nach nur einem zusätzlichen Lied zufrieden.

Fazit: ein allemal lohnenswerter Besuch, obwohl ich die meisten Bands vorher nur wenig oder gar nicht kannte. Der Sound war okay, stellenweise war es aber zu viel Krach (und damit meine ich nicht übermäßige Lautstärke). Es war nicht immer einfach, die Songstrukturen überhaupt erkennen zu können. Lay Down Rotten wünsche ich für kommende Auftritte mehr Spielzeit und ein Lineup, das besser zum eigenen Musikstil passt, um Sonic Syndicate mache ich (live) demnächst einen Bogen und die Alben von Neaera sowie Legion Of The Damned werden in naher Zukunft mein CD Regal zieren; die von Anima und Callejón eher nicht.

Foto: Legion Of The Damned vom Bandmyspace

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