Daniel Rossen – Silent Hour / Golden Mile

von Pynchon am 10. April 2012

in Musik!

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Daniel Rossen dürfte den meisten Musikfreunden als Sänger, Songwriter und Gitarrist der New Yorker Indie-Band Grizzly Bear bekannt sein, ein paar Leuten weniger vielleicht als die eine Hälfte der ebenso bemerkenswerten Department of Eagles, aber wer weiß darüber hinaus schon, dass Daniel zudem der Enkel von Robert Rossen ist, seines Zeichens Regisseur des Paul Newman-Klassikers „Haie der Großstadt“? Ich ganz sicher nicht, bis vor fünf Minuten zumindest.

Aber lange Vorrede, kurzer Sinn: Nun bringt der umtriebige Daniel Rossen also – passend in die kleine kreative Pause seiner Grizzly Bären hinein – diese fünf Song umfassende EP heraus, und ich bin seit dem ersten Hören so völlig hin und weg, dass ich nichts anderes mehr hören kann und mich ernsthaft frage, wie ich meine Begeisterung in Worte fassen soll, ohne reflexartig Ungläubigkeit zu ernten? Ist ja auch klar, allzu großer Überschwang geht zumeist einher mit einem gewissen Grad an Unzurechnungsfähigkeit, in allen Bereichen des Lebens. Daniel Rossen zumindest, stelle ich mal ganz nüchtern fest, ist der begnadetste Songwriter unserer an begnadeten Songwritern nicht armen Zeit. Was er mit „Silent Hour / Golden Mile“ vorlegt, ist einfach Songwriting auf allerhöchstem Niveau, mit bezwingend schönen Melodien, voller musikalischem Einfallsreichtum und einer leicht melancholischen Gelassenheit, die kein Pathos aufkommen und sich ihre Größe nicht anmerken lässt. Auf einen vollendeten, vor 60s-Verve funkensprühenden Popsong wie „Silent Song“ wäre wohl auch ein John Lennon stolz gewesen, ebenso auf das beatleleske „Golden Mile“, und völlig zurecht. Der Vergleich ist nicht weit hergeholt, sind die Beatles als Referenz auch bei Rossens Bandprojekten deutlich in den komplexen Songstrukturen zu erahnen. So auch bei „Return To Form“, dessen improvisatorischer Charakter zudem an das jazzige „Veckatimest“ von Grizzly Bear denken lässt.

Verträumter 60s-Pop, Free-Jazz, Indie-Rock – das alles, in überraschender Form arrangiert, macht Daniel Rossens Musik aus. Schwierig, aus den fünf großartigen Songs einen hervorzuheben, aber mal angenommen, ich stürze in naher oder ferner Zukunft einmal mit dem Flugzeug ab, irgendwo in den Bergen, fernab der Zivilisation, mit einem i-pod bei mir (müsste ich mir bis dahin erst noch zulegen, aber egal), und der Akku geht nach einigen entbehrungsreichen Tagen langsam zur Neige, während ich selbst ohne Nahrung schon völlig ausgezehrt meinem Tod entgegen sehe, in diesem Moment würde ich mir wohl noch ein letztes Mal „Saint Nothing“ anhören – und mich dann aufraffen und Richtung Bergspitze stürmen. Ach naja, der Überschwang.

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