Cynthia Lennon – John

von Hififi am 10. April 2006

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John Lennon war aufgeschlossen gegenüber Veränderungen. Dies galt auch und vor allem für die Musik der Beatles und seinem zweiten Steckenpferd, der Einnahme halluzinogener Drogen. Das ist kein Geheimnis, auch nicht, dass er Cynthia für Yoko Ono verlassen hat, aber wie es dazu kam, wird von seiner Ex-Frau naiv – und vielleicht gerade deswegen – authentisch erzählt.

Angefangen mit der Love-Story zweier Kunststudenten, über die Anfänge der Band im Liverpooler Cavern Club, bis hin zur Beatlemania, die alle Beteiligten zu überrollen drohte. Alles bekannt. Interessant wird es immer dann, wenn Cynthia Lennon über Privates schreibt, die familiäre Situation bei den Lennons war immerhin nie die einfachste. Die Ehefrau eines Beatles zu sein, war sicher nicht besonders leicht, sich verstecken zu müssen, damit die weiblichen Fans nichts von der Heirat mitbekommen, oder den gemeinsamen Sohn großzuziehen, während der Mann die Welt erobert, allerdings doppelt schwer. Die Beiden entfremden sich, John wird immer mehr zum Rockstar, der nur noch sein Ego und die Musik kennt und zu guterletzt betritt Yoko die Bühne. Nach Cynthias Ausführungen nicht nur eine Ehebrecherin, sondern geradezu der Antichrist. Weshalb Yoko Johns Sohn Julian unbedingt von seinem Vater trennen will und er von einer angemessenen Abfindung für Mutter und Kind absieht, wird wohl ein Geheimnis bleiben. Fakt aber ist: Sollte auch nur ein Bruchteil, der von Cynthia Lennon beschriebenen Ungeheuerlichkeiten der Wahrheit entsprechen, hat dieses Buch, welches zumindest zum Teil eine Abrechnung mit ihrem Ex darstellt, absolut seine Berechtigung.

Cynthia Lennons Schreibstil bleibt überwiegend schlicht, was er wohl auch mit ihrem Gemüt gemein hat. Hätte sie nicht so einiges zu erzählen, würde sich „John“ wohl niemand freiwillig antun. Die arme Frau hat bis zuletzt für ihre Ehe gekämpft, unterzieht sich sogar einer Schönheits-OP, was ihrem Mann lustigerweise völlig egal ist, und hat es mit Sicherheit nicht verdient so abserviert worden zu sein. Warum sie allerdings fleißig weiterheiratet – so in der Art: „Das wird eh nicht halten, aber er hat so nett gefragt.“ – ist nicht nachzuvollziehen. Entweder hat Cynthia Lennon ein ordentliches Trauma davongetragen, oder sie ist einfach nur blond.

„John“ ist definitiv nur etwas für Fans, um die Masse anzusprechen, fehlt dem Buch einfach das gewisse Etwas, ist dafür umso häufiger unfreiwillig komisch. Schätzungsweise soll „John“ auch nur Geld in die Kasse bringen, und das soll er wohl auch heute noch hinbekommen.

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