Cynic – Focus

von optera am 26. Februar 2006

in Musik!

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CYNIC ist zukunfts schwangerer JazzDeathMetal – Punkt.

„This music represents the artist’s attempt at open expression of emotion. We hope you will be open to the uniqueness of these pieces. Truth, integrity and strengh have been the FOCUS of Cynic… join us in our quest“, lauten die ersten Sätze des Booklets. Geschlossen wird es mit der Definition des Begriffs Cynic: „A member of a group of ancient Greek philosophers who taught that virtue constitutes happiness and that self-control is the essential part of virtue.“

Cynic ist aber viel zu komplex, um es bei JazzDeath zu belassen. Sie spielen, auf ihrem Focus Album, Jazz im Dialog mit dem Jenseits. Cynic läßt die Grenzen zwischen SpeedDeathMetal und FusionJazz verschwimmmen. Soviel Metal das es schon wieder Jazz ist. Die Spielarten halten sich hier absolut die Waage, klare Grenzen gibt es nicht. Nervige Standard Jazz Läufe, die x-fach verwurstet wurden, tauchen hier nur als Blasen auf, die fast lautlos zerplatzen. Cynic umschmeichelt die Gehörgänge, um liebevoll empfangen zu werden, dann wieder zu kratzen und zu beißen; wie eine Katze die Aufmerksamkeit (Fressen) will, bis sie kriegt was sie forderte. Aber Cynic ist keine Katze und wirkt deshalb eher wie eine Kuh (Manche Leute essen Sie, manche Menschen heiligen Sie!), die mühelos die schwer verdauliche Kost in Milch verwandelt. Eigentlich ist Milch durchsichtig, aber Effekte lassen sie rein weiß erscheinen. Focus – es liegt an der Betrachtung und Belichtung!

Bei dem Genre DeathMetal klappen sich nun bei einigen die Fußnägel hoch. Bei anderen erzeugt es eine gewisse Stimmung, die vielleicht nicht vertreten werden sollte. Aber aufgeschlossene Musiker und Hörer, die ein Verständnis für die zum Teil sehr komplexen musikalischen und lyrischen Themen haben, sowie die intelligent gemachten Strukturen erkennen, erfahren eine neue Dimensionen der Musik – Geschichte.

Da für viele Namen sehr wichtig sind, hier eine kleine Auflistung, die die Bandbreite und Reichweite der Band wiederspiegeln. Hinterm Schlagwerk saß Sean Reinert (Death – Human Album, Portal, Aghora, Gordian Knot, Aeon Spoke), Sean Malone (Gordian Knot, Spiral Architect, Aghora, Clockwork) zupfte und „stickte“ seinen Fretless Bass, Paul Masvidal (Death – Human Album, Portal, Aeon Spoke, Gordian Knot – Emergent Album) schlug wie auch Jason Gobel (Gordian Knot – Emergent Album, Portal) die Saiten der Gitarren. Chuck Schuldiner (RIP) engagierte vor der Focus Aufnahme Reinert und Masvidal für sein „Human“ Album. Außerdem waren ehemalige Musiker der Combo zu Gast bei Atheist oder Pestilence; zum Beispiel.

Die Texte werden durch Elemente der Mayaphilosophie verfeinert, und enthalten philosophische, sowie Esoterische Inhalte, für jeden dank Booklet studierbar.

Die begnadeten Musiker schaffen es einzigartige, nie da gewesene und niemals wieder erreichte, Schwingungen zu erschaffen, die entweder gehaßt oder bedingunglos vergöttert werden.

Die ersten 2 Minuten verraten auf welchem Weg sie zum Ziel gelangen möchten und was sie auf diesem erleben. Hört man das Album als Soundkulisse erschließt es sich wie aus einem Guß. Bei definiertem Zuhören der Instrumentierung, vollführen sie das Spiel der progressiven Eigenständigkeit sämtlicher Soundmodule. Achtet man auf die HiHat (Becken) und Snare, führen sie ein seltsames Theater auf, das einen schweben läßt, aber die DoubleBase (Toms) versucht die beiden auf den Boden zu drücken… Wunderschöne vertrackte Pattern führen zu Breaks und tollen Übergängen. Einziges Manko sind die schlecht klingenden E-Drum Toms, die ich als störend empfinde. Dann dieser durchgängige unverwechselbare Sean Malone Fretless Bass der seine Rhytmen frech zu Melodien macht, aber nie den Groove verliert, einfach der Wahnsinn! Der Sound des Meisters ist auf allen Alben, auf denen er zu hören ist, sofort als MaloneSound erkennbar. Die Gitarren lassen einem das Zwergfell schwingen, wie an einem Bungeeseil. Von 0 auf 100 eine wahnsinnige Beschleunigung, abprubtes Abbremsen, Schweben und von wieder von vorne, aber in einer anderen Amplitude. Geniale Riffarbeit und Songstruktur – technische Spitzenleistung. Markante Solos mit vielen Slid’n’Tabs aus alternativen Pattern zusammengeflossen, im Stop and Go Prinzip, lassen einen aufhorchen und wundern. Der Gesang ist oft synthesizer technisch verändert, was erstmal sehr ungewohnt klingt, aber in Bezug auf die Zusammenhänge absolute Verknüpfung von Geräusch, Text und Musik bedeutet. Die Stimme aus dem Jenseits? Sind es die gutturalen Gesänge die die Realität wiederspiegeln? Oder anders herum? Zusätzlicher Frauengesang in manchen Passagen wurde von Sonia Otey erzeugt, der sich aber ohne Ecken und Kanten, wie ein Fluid in die Masse einfügt. Gastshouter waren Tony Teegarden, der sie auch live mit Voice und Keys unterstützte, und Steve Gruden. Als flächigen Hintergrund oder Horizont, ergänzen Keys (Reinert) im Soundgewand der „Jenseitsstimme“, die Kulisse.

Für mich ist es eines der besten Alben aller Zeiten! Es ist zukunftschwanger, diese synthesizer Stimmen sind im-kommen, und der Stil ein Ausbruch aus dem immer-da-gewesenen.

Cynic paßt nicht in meine Charles-Schuldiner-Gedenk-Schublade, oder etwa zusammen mit Atheist oder Ephel Duath in die Death Spielerei Lade; würdelos hineingestopft, weil noch Platz drin war – die würden sich nicht vertragen. Nein, ich habe eine extra für Cynic liebevoll aus Eibenholz gebastelt und mit goldenen Lettern beschriftet. Meine Hoffnung ist ein zweites Album! Oder eine ähnliche künstlerische und technische Darbietung auf diesem hohen Niveau!

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{ 2 Kommentare… read them below or add one }

1 Cut1977 Februar 28, 2006 um 14:47 Uhr

Dieser technisch veränderte Gesang ist ein Vocoder! Zu der Zeit waren Vocoder total out, und im Death Metal sowieso noch nie eingesetzt. Kraftwerk haben den Vocoder griß gemacht, heute ist er durch Daft Punk wohl am bekanntesten. Aber ein Vocoder im Death-Metal, 1993? Wow, neben der sowieso geilen Musik das ganze Album über, ist der Vocoder großartig.

2 optera März 20, 2006 um 17:28 Uhr

optera schrieb:

[quote]“damals“,… als es das internet noch nicht wirklich gab, und ich vor langer zeit noch auf kataloge, zeitschriften und ekelhafte kaufhäuser (da kein plattenladen!) angewiesen war… ständig auf der suche nach dem glück und etwas noch nicht gehörtem… die letzten münzen zusammen gespart… entdeckte ich irgendwann ganz klein in einem katalog die zeile: Cynic – Focus, death metal meets jazz. mein interesse war geweckt! als dann endlich die heiß ersehnte bestellung kam, legte ich die cynic ganz nach unten des neuen stapels… die cd hatte irgendwas besonderes! als ich den stapel durch hatte und nur noch die cynic wartete, waren es bisher gewohnt gute alben, aber nicht wirklich innovatives!
dann pulte ich die cynic aus der verpackung… legte sie in den cd spieler… close… play…
…und was dann kam entzog sich allem bisher gehörtem… das war anders!
…nach dem zweiten song habe ich die cd ausgemacht… was ist das? hilfe!
das ging nicht in meinem kopf! ich mußte die scheibe immer wieder und immer wieder hören… obwohl ich es nicht verstanden habe… auf einmal hat es BANG gemacht und ich war und bin bis heute in das album verliebt!
Für mich ist es, natürlich neben vielen anderen, eines der besten und musikalisch anspruchsvollsten alben!
Anspieltips sind bei diesem album nicht erwünscht!
Cynic muss man vom ersten takt bis zum letzten komplett durchhören!
es ist KEIN FAST FOOD!
GUTE ALBEN NEHMEN EINEN MIT AUF DIE REISE!
es dauert bei guten alben bis man die sprache versteht… aber so wird das album auch nach 12 jahren kein stück langweilig!

DAS ALBUM GEHÖRT IN JEDE METALSAMMLUNG![/quote]

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