Cults – Studio 672 Köln, 17.8.11

von Claudi Yeah am 22. August 2011

in Feierlichkeiten

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Kult – der. Übertriebene Verehrung, die jemandem, einer Sache zuteil wird. (siehe Duden). Ich bin zwar der Tatsache, ob wirklich jedem Kult auch ein Hype vorausgeht, nicht auf den Grund gegangen, aber im Falle des New Yorker Duos Cults, soviel steht fest, gehen die leichtfüßigen Indiepop-Melodien zwischen 80er-Jahre-Hall, 50er-Jahre-Surfpop-Anleihen und shoegazerhaftem Gesang, sowie schangeligen Gitarren, definitiv hypehaft und mühelos ins Ohr. So abrupt wie das passiert war, hätte man Cults‘ gleichnamiges Debütalbum auch wieder aus den Sinnen verlieren können, unstörend subtil und gefällig kam es daher. Dementsprechend verhielt sich auch die Vorfreude auf das anstehende Konzert im Kölner Studio 672. Verebbte Begeisterung ob der Musik, gepaaart mit schlechten Konzerterfahrungen im Kellerclub des Stadtgarten, sowie gefühlt 200%iger Luftfeuchtigkeit können keinen guten Abend versprechen.

Die Supportband muss ungewohnt pünktlich begonnen haben, eine halbe Stunde nach angekündigtem Konzertbeginn wird die Bühne bereits umgebaut, aber das Publikum, was den Raum – in diesem Fall zum Glück – lediglich zu etwa zwei Dritteln füllt, muss nicht allzu lange warten, da betreten Madeline Follin und Brian Oblivion die aufgeheizte Bühne. Live von Gabriel Rodriguez (Gitarre), Nathan Aguilar (Bass) und Marc Deriso (Schlagzeug) unterstützt ist der Anblick zunächst ein äußerst haariger, so sehr wird die Bühne im ersten Moment von langen Mähnen bzw. Bart (Rodriguez) dominiert. Ein bemerkenswert großer Teil des Publikums hält diesem Effekt eine Uniformierung durch gestreifte T-Shirts entgegen.

Wie auf Platte eröffnen Cults den Abend mit „Abducted“. Gesanglich nicht adhoc gänzlich dabei, versteht es Follin jedoch, ihre Problematiktexte durch an Highschool-Musicals á la „Grease“ erinnernde Gesten und Mimiken aushaltbar zu machen. Popmusic as Popmusic can be. Wo gerade noch leidender Blick und Flehen den Raum füllen, lockern im nächsten Moment „Girl next door“-Tanzbewegungen auf, zu keinem Moment unnahbar, dafür herrlich normal. Auch stimmlich hat sich die Cults-Frontfrau mittlerweile eingependelt und überragt ihren, in raren Momenten ebenfals durchs Mikro zu vernehmenden, Gegenpart Oblivion.

Besonders durch die Album-Highlights „Go Outside“, „Rave On“ und die 7“-B-Seite „The Curse“ gerade erst im Ear-Candy-Himmel angekommen, findet man sich unvermittelt in einem schweißig-stickigem Treibhaus-Club wieder. Schade, nach nur 40 Minuten, ähnlich der Albenlänge, ist alles vorbei. Ob aus dem kurzen Hype um eingängige Melodien einer sympathischen, jungen Band, der man keine Allüren anzudichten vermag, ein Kult werden kann? Es ist ihnen definitiv zu wünschen.

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