Crystal Stilts – Gleis 22, Münster, 04.06. 2011

von am 15. Juni 2011

in Feierlichkeiten

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Mit den Crystal Stilts steht an diesem Abend eine wahre Feinschmeckerband auf der Bühne des Münsteraner Clubs. Und das bereits zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren. Obwohl die Temperaturen draußen sommerlich warm sind, drängen sich überraschend viele Zuhörer vor der Bühne. War die Resonanz beim letzten Besuch eher zurückhaltend, zieht die Band aus Brooklyn mittlerweile wesentlich mehr Fans an, was einerseits ein Indikator für die gegenwärtige Renaissance des effektbeladenen Shoegazing-Sounds sein mag. Auf der anderen Seite ist der Neo-Velvet-Underground-Sound ja niemals wirklich aus der Mode gekommen. Außerdem wurde dem damals vielversprechenden Debüt „Alight Of Night“ nun ein mindestens ebenbürtiges neues Album an die Seite gestellt.

Vor drei Jahren lagen die Crystal Stilts mit ihrer Musik noch deckungsgleich auf dem Sounddreieck: Velvets – Joy Division – The Jesus & Mary Chain. Anders als die beispielsweise zeitgleich emporgekommenen A Place To Bury Strangers, die seitdem mit einer aggressiven Effektorgie und wahnsinniger Lautstärke auf sich aufmerksam machen, sind die Crystal Stilts in einem wesentlich organischeren Sound verhaftet – auch wenn immer noch so viele Halleffekte im Spiel sind, dass es sich anhört, als führten sie das Konzert in einer Höhle auf. Im Hintergrund laufen geschmackssichere Schwarz-Weiß-Filmchen mit trashigen Sci-Fi-Motiven. Alles so hübsch retro hier. Mittlerweile hat der Grad an Psychedelia stark zugenommen. Frontmann Brad Hargett steht mittlerweile wie ein junger Jim Morrison auf der Bühne, posiert mit dem Mikroständer, dreht den Rücken zum Publikum. Die vokalistische Bandbreite des Doors-Sängers erreicht er zwar nicht ansatzweise, aber das ist für die stimmungsvolle Intonierung innerhalb des Coolheits-Kosmos gar nicht nötig. Lou Reed kann schließlich auch nicht singen. Kunstvolles, monotones Understatement ist das Gebot der Stunde und vermag das Publikum durchaus zu überzeugen. Dem zweiten Album „In Love With Oblivion“ war die Weiterentwicklung in Richtung Sixties-Verspieltheit zwar deutlich anzumerken, aber erst live treiben Orgeleinsatz und Twang-Gitarren so richtig ihre Blüten. „Shake The Shakes“ oder „Precarious Stair“ funktionieren hervorragend als Drei-Minuten-Popformate, aber es sind psychedelischen Miniorgien wie „Death Is What We Live For“, die die Zeitreise komplett machen. Fast schon drollig wirkt es, wie Hargett zu „Shattered Shine“ so tut, als könne er Mundharmonika spielen. Klingt trotzdem gut. Wir sind ja hier nicht bei den Stones. Die beiden Semi-Hits vom letzten Album „Prismatic Room“ und „Departure“ runden das Set souverän ab und beweisen, dass es durchaus Fortschritt im vermeintlichen Stillstand gibt. Anschließend wird am Merchandise-Stand vor allem nach Vinyl gefragt. Schließlich das einzige Medium, auf dem die Musik der Crystals einen Sinn ergibt.

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