Conor Oberst – dto.

von Benjamin am 5. August 2008

in Musik!

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Sich zurück zu ziehen um ein Album aufzunehmen, ist ein beliebtes Mittel, um seiner eigenen Kreativität und den zu schreibenden Songs auf die Sprünge zu helfen. Manchmal ist das wahrscheinlich so: es gibt Songs, die geschrieben werden müssen. Man hat sie noch nicht geschrieben, man hat auch noch nicht so richtig den Sound im Ohr oder im Kopf, aber man weiß: es gibt Songs in mir, die müssen raus. Conor Oberst streift mit seinem Songwriter-Talent durch die Genres und bedient nicht sondern kreiert und gibt vor. Wäre die Musiklandschaft Infrastruktur, dann wäre Conor Oberst die alternative Parallelstrecke zur Autbahn, die über Bundesstraßen führt, die weniger kennen, die aber gut zu befahren ist. Das Problem ist: diese Strecke ist irgendwie langweilig, weil es ja noch diese ganz andere Strecke gibt, die mit ein bisschen mehr Aufwand zu finden ist und dafür wunderschön. Conor Oberst hat diesen ganz anderen Weg selbst noch nie gefunden. Saddle Creek und dazugehörige Familie ist schön und wichtig für die Musiklandschaft. Die Songs und Musik von Conor Oberst waren das eher selten. Das corpus delicti ist meines Erachtens hier die Stimme. Lässt man alle Diskussionen über die songwriterischen Qualitäten beiseite, kann man sich an der stolpernden Stimme abdiskutieren. Conor Oberst hat schon mal unerträglicher als auf diesem Soloalbum mit seiner Stimme Qualen und Leiden transportiert, aber immer war es so, dass in der Stimme selbst kein Rückzug und keine Schüchternheit zu finden war, die das Brechen und Stolpern hätte erklären können. Textlich gesehen mag das anders zu bewerten sein. Das Zurückziehen nach Mexico hat auf jeden Fall einen Haufen Songs herausgebracht, die einen besser, die anderen schlechter. Hört man die klassischen Country And Western-Strukturen und -Wurzeln in vielen der Songs, fragt man sich, wie das mit der Integrität aussieht? Conor Oberst mag vielleicht der erste weltweit relevante Künstler sein, der sich die Wurzeln abgeguckt hat, abkopiert sozusagen; wenn bis jetzt alles echt war im Sinne von: erlernt, erfahren, erwachsen – dann ist Conor Oberst der erste Wolf im Schafspelz, der digitale Künstler, so kommt es mir vor. Nicht für fünf Pfennig kann ich Conor Oberst das abnehmen, was auf dem Album passiert, aber manchmal klingt es ganz gut. Im Zweifelsfalls nimmt man dann aber lieber die Originale.

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1 RockinBen August 10, 2008 um 17:48 Uhr

Was ich von diesem Soloalbum bisher gehört habe gefällt mir auch nicht so gut wie die Bright Eyes Sachen.
Aber: Irgendwie verstehe ich die Rezi nicht! Willst Du Conor Oberst und Bright Eyes jegliche Kreativität und Eigenständigkeit absprechen?! Ich denke, dass man nicht unbedingt die Entwicklung gut heißen muss, die seine Musik macht, aber grade die „Lifted…“ ist ein geniales Album. Dass man in diesem Bereich das Rad nicht neu erfinden kann, ist wohl allen klar, aber Conor Obersts bisheriges Schaffen so niederzumachen, das darf man nicht.

2 Cut1977 August 13, 2008 um 18:12 Uhr

Ich denke, dass man alles darf in Rezensionen. Auch an ungeschriebenen Gesetzen rütteln. Und weiterhin habe ich geschrieben: „Saddle Creek und dazugehörige Familie ist schön und wichtig für die Musiklandschaft. Die Songs und Musik von Conor Oberst waren das eher selten.“ Damit habe ich nicht die ganze Diskografie verrissen.

3 RockinBen August 14, 2008 um 16:07 Uhr

[B]Conor Oberst hat schon mal unerträglicher als auf diesem Soloalbum mit seiner Stimme Qualen und Leiden transportiert, aber immer war es so, dass in der Stimme selbst kein Rückzug und keine Schüchternheit zu finden war, die das Brechen und Stolpern hätte erklären können.[/B]

Das ist einer der Sätze, die ich meinte…

Ansonsten: Klar, Rezensionen sind immer subjektiv…

4 Pynchon September 8, 2008 um 20:59 Uhr

Passables Album mit ein paar Highlights (Cape Canaveral, Sausalito, Danny Callahan) und einigen eher netten Songs zum Beim-Bügeln anhören, bevor man abschaltet, weil Sportschau beginnt…
Bright Eyes sind, wenn ich Rockin Ben glauben schenke, vermutlich noch ne Nummer besser? Ich hoffe…

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