CocoRosie – Grey Oceans

von Benjamin am 19. Mai 2010

in Musik!

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Es gab einen Zug auf den man Ende der 90er Jahre springen konnte: das war Weird-Folk. Folk war vorher kaputtgemacht und dekonstruiert worden, vornehmlich von Smog (Bill Callahan) und Palace/Bonnie ‚Prince‘ Billy (Will Oldham), begleitet von Alternative Country wie dem von Souled American. Und dann kamen plötzlich andere Acts hinzu, wie z.B. CocoRosie, die ebenfalls zu diesem Weird-Folk gezählt wurden. Man tat dies wahrscheinlich aus Verlegenheit, da hörte man halt stolpernde Akustikgitarren, also musste das eine Art Folk sein. CocoRosie sind allerdings inzwischen mit „Grey Oceans“, dem vierten Studioalbum, zu einer Art postmodernem Minnegesang geworden. Die Streetcredibility wird heutzutage besonders durch einfließende Hip-Hop-Elemente geleistet, dieser wiederum wird aber ebenfalls bekannten anderen Verweisungszusammenhängen in demselben Kosmos entrissen, so dass sich alles wundersam zu einem neuen Mix aus Weltmusik-Trip-Hop verbindet, der aber so zerfahren und zerstückelt erscheint, dass man den größten Teil beim Hören selbst wieder zusammensetzen muss. Aber CocoRosie bieten einem die Teile und Puzzles mit so wundervoll ornamentierten Verbindungsstücken an, dass man reine Freude beim Zusammensetzen hat. Björk, Radio- und Portishead fallen einem dabei ein, und das sind ja nun nicht die schlechtesten Referenzen. Schön dabei ist auch: CocoRosie besitzen in ihrem bruchstückigen Songwriting genau so viel Zusammenhang, dass man innerhalb der Tracks wie bei TV-Serien-Cliffhangern von einem Sinn zum nächsten befördert wird. Das ist niemals langweilig und – was schnell passieren könnte – niemals nervig.

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