Clipper- Alles erscheint in einem anderen Licht

von Pynchon am 14. März 2009

in Musik!

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Mit ihrem Album „Alles erscheint in einem anderen Licht“ legen die Clipper aus Köln ihr „neuestes, bestes und vorerst letztes Werk“ vor, eine Selbsteinschätzung, der ich mangels Kenntnis eines Vorgänger-Albums sowie etwaiger Zukunftspläne der Band nicht widersprechen kann. Sicher ist zumindest, dass es sich bei den fünf jungen Männern um der Romantik zugeneigte Melancholiker handelt, die an den zehn Songs ihres Albums eine ganze Weile herumgedoktert haben, bis sie den Ansprüchen genügten.

Das hört man sofort raus, die Clippers liefern keine Schnellschuss-Ware ab. Dass sie sich für ihre verträumten Popsongs bei musikalischen Vorbildern bedienen, verheimlichen sie keineswegs. Im Gegenteil, die musikalischen Inspirationsquellen sind unter der Tracklist direkt aufgeführt. Da finden sich die 80er-Größen Duran Duran, die Dexies Midnight Runners, Philip Boa und auch ein gewisser Maurice Duruflé, Musik-Kennern als französischer Komponist von Kirchen- und Orgelliedern selbstverständlich ein Begriff (ok ok, ich musste ihn googeln).

Der Opener und titelgebende „Alles erscheint in einem anderen Licht“ ist dann also von besagtem Duruflé inspiriert, aber auch von U2- logisch, das passt schon. Als erste Intuition kommen mir jedoch die späten Blumfeld in den Sinn mit ihrem mutigen – weil angreifbarem – Bekenntnis zur Harmonie. Alles in allem ein ordentlicher Einstieg, der bereits die ausgeklügelten Songstrukturen erkennen lässt- Indiepop zum Mitschunkeln.

Einen etwas entrückten Eindruck machen die Songs durchweg, was die Texte zusätzlich unterstreichen: „Und der Wind trägt es ins Land, dieses Welt ist nur ein Kartenhaus“ heisst es in „Aus allen Fugen“, während es in „Silbernes Band“ reimt: „An einem silbernen Strand, malt sich dein Körper in den Sand“. Im elektronisch-sphärischen „Der Riss im Raum“ wähnt sich der Sänger „weit weg, weit weg, weit weg von hier“. Oder: „Im letzten Sonnenschein, tauchen wir ins dunkle Wasser ein.“ So geschehen in „Dark Star“, der von Duran Durans „Skin Trade“ inspiriert sein soll, sich aber eher nach dem schwermütigen „Save a prayer“ anhört. Überhaupt ist es schon eine Freude an sich, über die aufgeführten Referenztitel nachzugrübeln und zu entschlüsseln, wo sich nun tatsächlich etwa der tolle Philip Boa- Klassiker aus den frühen Neunzigern, „And then she kissed her“, in „Das Ende der bekannten Welt“ wiederfinden lässt. Ich bin da noch unschlüssig, kann aber mit Fug und Recht feststellen, dass dies mein Lieblingssong auf dem Album ist und dass er sich zur Not halt nach Clipper anhört!

Und die Clipper sind mit ihren abwechslungsreichen Popsongs durchaus nicht so leicht verwechselbar mit dem üblichen Pop-Einerlei, den sie heutzutage im Radio spielen. Die 80er waren da popmäßig eine Klasse besser- da stimmen mir die Clipper sicher zu.

Nicht alle Songs finden meine ungeteilte Zustimmung. Das etwas seichte „Umgeben von Legenden“ erinnert mich unangenehm an deutschen Pop-Schlager á la Münchener Freiheit.

Dafür entschädigt unter anderem „Konsequentes Lied“- doch nanu, hier fehlt die Inspirations-Quelle? Eindeutig „Suburbia“ von den Pet Shop Boys, darauf möchte ich wetten!

Ein Album, das ich gerne nochmal höre.

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