Clap Your Hands Say Yeah – dto.

von Hififi am 31. Mai 2006

in Musik!

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Hier scheiden sich einmal mehr die Geister, denn mit Virtuosität hat “Clap Your Hands Say Yeah” nicht viel am Hut. Die indieübliche – mittlerweile fast standardisierte – Schrammelfraktion aus Gitarre und Bass dengelt selbstverliebte infantile Melodiebögen, während Alec Ounsworth vor sich hinjodelt, und dabei augenzwinkernd an Thom Yorke erinnert. Das hört sich ja furchtbar an?! Ist es aber nicht. Man muss dem Fünfer aus New York nur eine Chance geben.

Denn relativ schnell entwickelt sich „In This Home Of Ice“ zum Dauerbrenner, und auch „Let The Cool Goddess Rust Away“ folgt nach ein paar Durchläufen dem guten Beispiel.

Das hier ist ein bisschen mehr als Pop. Das ist wie Pop heutzutage klingen kann und vielleicht auch sollte. Eine catchy Melodie und ein polternder Bass bilden die Basis, aber anstatt angepasster, anödender Chris Martin/Bono-Vocals gibt es außergewöhnliches. Radiohead haben es vorgemacht, so muss es weitergehen. Man darf sich keine Illusionen machen, „Clap Your Hands Say Yeah“ will und braucht mal wieder keiner, trotzdem ist das Geschrei nach Innovation wie immer groß.

Groß ist auch das Gesamtbild des Albums, es sind nämlich keine Lückenfüller drauf, und mit „Details Of War“ hat die Scheibe auch ein richtiges Sahnehäubchen. Element Of Crime machen den Anfang, Alec Ounsworth singt mit sich selbst im Chor, während die Bob Dylan-Mundharmonika schräg durchs Songgerüst trötet, bis die Velvet Underground-Gitarrenwand das Unternehmen „Song für die Ewigkeit“ mehr als würdig zu ende führt.

Besonders interessant und wegweisend ist, dass Clap Your Hands Say Yeah in Amerika noch keinen Plattenvertrag unterschrieben haben, denn sie vertreiben ihr Debüt persönlich über ihre Internetseite (immerhin über 40.000 Exemplare!). Warum also einer Plattenfirma Geld in den Rachen werfen? In Europa sind sie bei Wichita unter Vertrag, da sind sie mit den Bright Eyes und Bloc Party nicht in der schlechtesten Gesellschaft.

Schön zu hören, dass Indie tatsächlich noch independent sein kann.

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{ 5 Kommentare… read them below or add one }

1 Cut1977 Mai 31, 2006 um 11:31 Uhr

Die Rezension über Clap Your Hands Say Yeah! hätte ich gerne geschrieben. Ich wusste aber nicht wie. Ich konnte es partout nicht in Worte fassen. Nicht aus fassungsloser Begeisterung, aber doch voller Unvermögen über die indiehaftigkeit dieser Band. Ich bewundere das Album. Es ist leicht und beschwingt, ekelhafte Adjektive. Es ist so Indie, wie Indie sein muss. Allerorten hört man, die Musik erinnere so stark an die Talking Heads. Ich kann mit diesem Vergleich nicht anfangen. Ich denke, es handelt sich dabei mal wieder um den Fall: einer plappert vor, die anderen haben keine Ahnung und plappern nach. Das passiert sehr sehr oft, wenn es um die (vermeindlichen) musikalischen Vorbilder von Bands geht.
Das Debütalbum von Clap Your Hands Say Yeah ist auf jeden Fall ein ganz großes geworden.

2 otic Mai 31, 2006 um 13:12 Uhr

Ja, große Plattte. Tolle Band!

Allerdings kommen die stimmlichen Qualitäten Alec Ounsworths denen von David Byrne streckenweise schon ziemlich nahe. Ob dieses Feature nun herausragend in den Vordergrund gestellt werden sollte, ist eine andere Sache.

3 Sterereo Juni 1, 2006 um 05:28 Uhr

Jap, otic. Dass drifft auch meine Meinung. Ich bin ebenso begeistert von dem Weg, den diese Band geht wie meine Vorredner, doch leider kann ich mit der Stimme nichts anfangen. Sie nervt und hält mich vom wieder-hören dieser Platte ab.

4 otic Juni 1, 2006 um 18:13 Uhr

Womit wir wieder beim Thema Geschmäcker wären.

Magst du die Talking Heads auch nicht?
😉

5 Hififi Juni 2, 2006 um 17:17 Uhr

Dat kennta doch garnet. Issa doch erst 20.

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