Civil Twilight – dto.

von carsten am 18. April 2010

in Musik!

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Zwei Glückfälle gibt es, um über Musik zu schreiben. Am besten ist es, wenn das gehörte Album so großartig ist, dass man die ganze Welt daran teilhaben lassen will. Außerdem macht es Spaß, wenn das Album schlecht ist, dann kann man es lustvoll auseinandernehmen. Nur Mittelmäßigkeit, wie so oft im Leben, erzeugt gähnende Langeweile. So ist es leider auch mit Civil Twilight.

Die dreiköpfige Band aus Südafrika, mittlerweile in Nashville ansässig, hat ein Debütalbum vorgelegt, das nach eigener Aussage Einflüsse von Größen wie Bob Dylan, Leonard Cohen, Bruce Springsteen und Thom Yorke aufweist. Man orientiert sich also nach oben. Um so überraschender, dass U2 nicht genannt wurden. Denn das Album klingt so, wie das Material, das U2 für „The Joshua Tree“ nicht verwendet haben nachdem es von einem Produzenten wie, sagen wir, Desmond Child (Bonnie Tyler, Bon Jovi, The Rasmus, …) glattgebügelt wurde. Eine weitere Parallele ist der Wille zur ganz großen Geste, die in dem Moment gipfelt, in dem die Band von tausenden Mobiltelefonen und das Publikum von den auf Maximum hochgefahrenen Blindern beleuchtet werden. Nur leidet zündet es überhaupt nicht. Die Melodien sind zu dödelig und das Songwriting kommt nicht auf den Punkt, die Fünf-Minuten-Marke wird wiederholt ziellos übersprungen, man weiß nicht, warum. Die Dringlichkeit, die eben U2 in ihren besten Momenten auszeichnet, fehlt hier völlig. Es klingt eher wie die Ratlosigkeit, die Genesis auf „Calling All Stations“ auszeichnete, insbesondere beim Opener „Anybody Out There“. Die Briten fortgeschrittenen Alters allerdings haben mit „Congo“ ein Stück in Angebot, das zumindest zaghaft afrikanische Rhythmen zitiert. So hätte es spannend werden können – eine südafrikanische Band in Nashville! Geworden ist es leider nur der millionenste Beitrag zur Sparte Adult Contemporary. Auch lyrisch ist nicht viel zu holen und das bei diesem Background, Südafrika, modernster Staat des Kontinents und dieses Jahr Gastgeber eines internationalen Großereignisses, zerrissen zwischen Townships und Gated Communities. Und dann Texte über Krieg, die man so in jedem Oberstufen-Literaturkurs findet: „I don’t stop till the end of the show / I don’t stop till my country says so / I don’t know why I raise this hell / I’m just a soldier / Fighting for someone else“. Langweilt mich.

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