Chuck Ragan – Gold Country

von Hififi am 5. September 2009

in Musik!

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„Gold Country“ erinnert mich an eine HBO-Serie, der ich verfallen bin und die drei Staffeln innerhalb weniger Wochen verschlungen habe: „Deadwood“. Deadwood ist ein kleines, dreckiges Goldgräberstädtchen in dem es buchstäblich keine Gesetze gibt, da das Sioux-Territorium noch nicht erschlossen wurde. Einzig Sheriff Bullock versucht ein wenig Ordnung in den Alltag der Dorfbewohner zu prügeln, alle anderen sehen meist nur ihren eigenen Profit. Eine große „Loner-Sage“ mit lauter Verlierern. „Gold Country“ könnte der Soundtrack dazu sein.

Auch weil die Handlung schon so verstrickt scheint, bedarf es musikalisch eher einer gewissen Eingängigkeit um den Zuschauer nicht noch mehr zu verwirren. Jetzt ist Chuck Ragan hauptberuflich Sänger von Hot Water Music, im Punk verwurzelt und somit mit eher einfacheren Arrangements vertraut, die ebenso auf diesem Album zutage treten. Das raue „Whiskey-Timbre“ könnte sich Ragan ohne Weiteres im Gem-Saloon des vermeintlichen Bösewichts Al Swearengen angesoffen haben und diese erdverbundene Folk-Version dieser zwölf Songs atmet aus jeder Pore ehrliches Malochertum. Recht energetisch klampft sich unser Freund durch ein ansonsten aber doch recht blutarmes Album, voller ideenloser Songwriter-Willkür. Dazu Fiedel und Schlagzeug. Gute Songs erstrahlen immer dann, wenn sie auch bis auf die Knochen entblößt funktionieren, denn so lässt sich Einfallsarmut nicht mehr kaschieren. So gradlinig und eingefahren Seth Bullock dem Gesetz zum Sieg verhelfen will, hält Chuck Ragan an standardisierten Folk-Rhythmen und recht gewöhnlichen Melodien fest. Vielleicht verliert sich irgendwann der Fokus, wenn es doch so partout nach den Wurzeln der großen Legenden klingen soll: Pete Seeger, Woody Guhtrie und Bob Dylan. Bedauerlicherweise klingt „Let It Rain“ dann auch noch ein wenig nach „Country Roads“, was nun wirklich schlimm ist und einen Hidden Track gibt es ebenfalls zu vermelden. Von jeher ein großer Gegner dieser schwachsinnigen Idee bereits abgeschlosse Langspieler künstlich aufzublasen, muss ich aber sagen, dass es manchmal mehr Sinn macht und manchmal eben gar nicht. „Gold Country“ muss nun zu allem Überfluss auch noch langsam dahinsiechen, als ob das nicht alles schon schlimm genug wäre.

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