Chau Chat – Le Début

von carsten am 17. Mai 2010

in Musik!

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Da liegt die CD, verpackt in einer weißen Hülle, die von zwei dicken schwarzen Pinselstrichen durchkreuzt wird (die Verkaufsversion scheint jedoch anders gestaltet zu sein). Auf der Rückseite die Songtitel, dreimal durch fernöstliche Schriftzeichen ergänzt oder mit Namen wie „X.Y. OP. 39“. Ein Verdacht drängt sich auf: Kunstkacke, L’art pour l’art,übersteigerte Äußerlichkeiten und wenig musikalische Substanz.

Und dann beginnt „Apfelkura“ und geht so angenehm und warm ins Ohr, dass das schnell gefasste Vorturteil revidiert werden muss. Hier sind musikalische Könner am Werk, die auch den Vergleich mit dem sich als Vergleich anbietenden Yann Tiersen nicht scheuen müssen. Zarte, aber dynamische Pianoklänge schaffen einen Rahmen, der durch die bisweilen einsetzende Instrumentierung zum oft zitierten Klangteppich erweitert wird. Ein im besten Sinne des Wortes klassisches Stück. „My little girl“ mischt dann eine Prise Rock mit ein, wobei der von Streichern geprägte Klang beibehalten wird. Bei Chau Chat klingt es aber nicht wie so oft (warnendes Beispiel Metallica) als würden die Stücke nachträglich mit zusätzlichen Spuren zugekleistert, sondern die Songs basieren tatsächlich auf diesen Melodien und so wirkt es eher so als hätte sich das Schlagzeug in die Songs verirrt als andersrum. Das macht Spaß, weil es neu und ungewöhnlich ist. Gelegentlich zieht das Tempo sogar etwas an, verlässt jedoch nie das konzeptionelle Schema. Zwischendurch gibt es Pfeifpassagen, die mit Scorpions-hören nicht unter zwei Jahren bestraft werden sollten. Hier droht der Hochglanz in eine missglückte Heimaufnahme zu kippen, „Lee & Me“ ist der schwächste Song auf dem Album. Bei aller klanglichen Brillanz lassen einen die Songs jedoch bedauerlicherweise kalt. Obwohl die Stücke auf Emotion angelegt sind berühren sie nicht, dafür sind sie vielleicht zu perfekt. Der gewollt sehnsüchtig-melancholische Gesang wirkt aufgesetzt und es scheint als wäre er nur eine Zutat zum Gesamtsound und keine Möglichkeit Gefühle auszudrücken. Ein wenig mehr Tiefgang und etwas ganz großes wäre hier entstanden.

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