Casiotone For The Painfully Alone – Etiquette

von Hififi am 22. November 2006

in Musik!

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So steht es auf der Homepage (www.cftpa.org): “Claustrophobic two-minute character studies shuddered with reverbed beats, blown-out chords, and simple but infectous melodies”, und passender kann ich es auch nicht ausdrücken. Owen Ashworth hat irgendwann festgestellt, dass es kostengünstiger ist Musik zu schreiben als Filme zu drehen und bricht sein Filmstudium ab. Seit 1997 arbeitet er nun unter dem merkwürdigen Projektnamen an seiner Version von Blues und Synthie-Pop.

Schon sehr traurig die zwölf Songs auf „Etiquette“, denn Moll regiert und Ashworth gibt seine Alltagsbeobachtungen zum Besten, die – na, was wohl – traurig sind. Wer nun denkt der 28-Jährige würde einem stringenten Konzept folgen, dem sei gesagt, dass zwar Songs wie „Young Shields“ genau in das beschriebene Raster fallen, aber z.B. mit „Don´t They Have Payphones Wherever You Were Last Night“ ein schwerer und verstörender Blues auf den Hörer wartet. Das anschließende und das Album abschließende „Love Connection“ wiederum ist leicht und verspielt, und mit Jenn Herbinson am Mikro glaubt man kaum, dass immer noch dasselbe Album im CD-Player rotiert. Das Konzept also scheint zu sein, das Konzept durch gekonnte Ablenkungsmanöver ein wenig in Vergessenheit geraten zu lassen. Schön, so soll es sein. „Holly Hobby“ ist so ein Ablenkungsmanöver: Wabernde Keyboards und ein polternder Beat sind nun nichts Neues, aber Herbinson´s Vocals klingen wie von „The Velvet Underground And Nico“, zum Schluss poltert der Beat sich in den Vordergrund und bringt den fast dilettantischen Flair des Originals perfekt rüber. „Cold White Christmas“ passt gut in diese Jahreszeit, in der sich eh viele Menschen der Melancholie hingeben. Dieser Song ist trotzdem nicht deprimierend, sondern erfüllt seinen Hörer mit einer gewissen Nostalgie, die ihn schmunzeln lässt. Nein, bösartig sind diese kleinen Songperlen nun wirklich nicht. Der beste Song des Albums hört auf den Namen „Bobby Malone Moves Home“, eben eine von Ashworth´s Alltagsbeobachtungen. „So you tried your own route/ & it didn´t work out/ well you´re not alone”. Eben, das ist uns allen schon passiert! Darum geht es: Aufregend ist hier nichts, die Melancholie nicht, das Songwriting nicht und vor allem nicht der Gesang. Einfach nur ein Altersgenosse der es rauslässt, auf seine unnachahmliche, bescheidene Art und Weise.

Übrigens, in Ashworth´s Apartment in Chicago hat es gebrannt. Scheiß Alltag!

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