Cartridge – Privatclub Berlin, 17.10.08

von cherri am 31. Oktober 2008

in Feierlichkeiten

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Mein erstes Hififi-Konzert, hurra! Der Tag lief so ungewohnt blendend, da sollte der Abend doch mithalten können. Schäbigerweise höre ich erst kurz vorm Losgehen meine ersten drei Cartridge-Songs. Die sind sehr abwechslungsreich, aber dadurch auch schwer einzuordnen. Gitarrig, ein bisschen 80er. Hm. Nein, gar nicht schlecht.

K. ist mein +1 und als wir im Kreuzberger Privatclub ankommen, spielt die Vorband schon! Unerhört, ich dachte in Berlin geht es niemals pünktlich los. A Golden Pony Boy ist eine doch sehr niedliche Band. ‚Schülerband‘ denke ich, da hat es K. schon ausgesprochen. Und D., den wir zufällig beim Bierkaufen treffen, sagt als erstes und einziges an diesem Abend zu mir, wer von den drei Jungs seiner Ansicht nach wohl welches Abiturstadium erreicht hat. Scheinbar denken hier alle das gleiche!

Die Musik ist aber bezaubernd, ich steh die ganze Zeit nur da und lächele. Ruhig und melodiös, passt zur entspannten Stimmung. Die wenigsten stehen, der Club ist eher leer, aber nicht unangenehm. Familiär. Um uns rum wird gelümmelt, gequatscht und geknutscht, ein paar strahlen – wie ich – die Band an. Und die geben sich Mühe, ohne dass es bemüht wirkt, sie erzählen zwischen den Songs ununterbrochen Geschichten, animieren zum Mitmachen und flirten schüchtern mit ihrem Publikum. Sie machen ordentlich Werbung für ihre CD und einige kaufen die auch. Ich hör nochmal auf myspace rein.

Sie gehen nicht, ohne über Cartridge zu sagen: „… und die sind richtig gut.“ Hüpfen von der Bühne und stellen sich ins Publikum, aus dem jetzt Cartridge schlüpft, kurzer Soundcheck – das erlaubt uns den Bandcheck. Schülerband sind sie nicht mehr. Der Sänger trägt schwarzes Hemd zu weißer Fliege und weißem Jackett, der Drummer hat sich seine Kopfhörer mit Gaffa am Ohr und am Hemd festgeklebt. Sieht beeindruckend aus.

Sie fangen sehr schnell an zu spielen und machen von Anfang an ordentlich Tempo. Es ist richtig voll geworden, aber jetzt fremdelt das Publikum ein bisschen und lässt zwischen Bühnenrand und sich selbst ein paar Meter Höflichkeitsabstand. Das kann Mathias Nielsen nicht dulden, er macht Gesten, nützt aber nichts.

Oh, aber auch Cartridge ist extrem nahbar, sie haben ganz offensichtlich Spaß an dem, was sie tun. Und das ist spürbar. Aus Nicken und Wippen hier und da wird schnell mehr. Als sie mittendrin „The Woods“, eins der wenigen Stücke, die ich kenne, spielen, sind alle um mich rum am Tanzen. Ich auch. Der Gitarrist dankt zwischendurch A Golden Pony Boy, aber das geht etwas unter. Trotzdem find ichs nett und ein bisschen rührend. Und: die Vorband hatte recht: Cartridge sind richtig gut. Das finde nicht nur ich. Auf der Bühne und vor der Bühne haben offenbar alle Spaß. Cartridge erzählen nicht so viel wie A Golden Pony Boy, „Vielen Dange“ sagt der Sänger und kündigt den nächsten Song an. Wenn die anderen was sagen, versteh ich sie schlecht. Aber egal, das wird alles durch Energie und Hingabe wett gemacht, durch einfallsreiche, mitreißende Musik und eine tolle Stimme, die da singt.

Gegen Ende bahnt sich ein Mann mit Brille, Karohemd und einem großen altmodischen Koffer ein wenig umständlich von der Bühne nach hinten durchs Publikum. Ich wundere mich. Cartridge kündigen den letzten Song an, auf deutsch sogar. Danach sind sie – noch bevor jemand auf die Idee käme, nach Zugaben zu schreien – von der Bühne verschwunden. Und während wir noch klatschen und uns fragen, wo eigentlich die Band geblieben ist, tauchen sie mit frischen Klamotten im Publikum auf. Und der Mann mit dem Koffer sitzt am Eingang und verkauft CDs. Ach so.

Wow, zwei interessante und echt sympathische Bands an einem Abend, damit hab ich nicht gerechnet! Am Morgen hatte ich mir mit dem Brötchenmesser in die Handfläche geschnitten (wie peinlich! – die sofortige Strafe dafür, dass ich meinem Mitbewohner sein Mohnbrötchen geklaut habe), also war Klatschen schmerzhaft. Tja, was soll ich sagen, ich hab den Schmerz weggesteckt und trotzdem geklatscht. Und getanzt. Und einen super Abend gehabt.

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