Caroline – Verdugo Hills

von Pynchon am 21. Januar 2011

in Musik!

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Nichts Böses argwöhnend folge ich, den Blick über die verschneite Landschaft vor meinem Ausguck schweifen lassend, den Anfangsklängen aus Carolines neuem Album, mit der ich bislang noch nicht das Vergnügen hatte. Im atmosphärischen Intro hört man sie nur über einen elektronischen Klangteppich hauchen, doch das Folgestück jagt mir dann einen gehörigen Schrecken ein: Carolines Stimme – offensichtlich nicht technisch verfremdet, aber das weiss man natürlich nicht mit Gewissheit – ist irritierend hoch! Klar, würde sie sehr tief singen, wäre es noch irritierender, aber mir schwirrt es wirklich in den Gehörgängen, so fiepsig schrillt es aus den Lautsprechern.

Eine rasche Recherche bringt Gewissheit: Caroline ist Japanerin! Und „Verdugo Hills“ ist ihr zweites Album, selbst geschrieben, produziert und gesungen. Worauf sie hinaus will, ist natürlich sofort klar: engelsgleicher, träumeliger Pop zum Mitschwärmern oder Wegdämmern, je nach Präferenz. Die dritte Nummer heißt passenderweise „Sleep“, es wird schwermütig orchestriert, zuckersüß gehaucht wie aus tausend verklärten Prinzessinnenkehlen, die sich nach Erlösung verzehren. Ein wenig Drum-Machine im Hintergrund, um den sphärischen Engelsflötereien einen soliden Grund zu geben, und natürlich die süße Caroline, gegen die Björks Organ Richtung sibirischer Holzfäller tendiert.

Spätestens ab Stück 4 („Seesaw“) fühle ich mich ein wenig dizzy, wie die Amis sagen, also rammdösig vor Gedudel und Gehauche und Schalmeien-Entrücktheit. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die japanische Kultur bekanntlich den Kitsch liebt, und insofern kann ich auch Caroline Lufkin, wie sie mit kompletten Namen heißt, besser verstehen. Das mit uns beiden ist einfach ein Clash of Civilizations, auch wenn sie auf Fotos ja ganz possierlich anzuschauen ist. Trotzdem habe ich jetzt einen Tinnitus.

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