Carl Barât – Forum Bielefeld, 14.04.2011

von Hififi am 21. April 2011

in Feierlichkeiten

Post image for Carl Barât – Forum Bielefeld, 14.04.2011

Nachdem Carl Barât und sein böser Zwilling namens Peter die Libertines aufleben ließen, um des Peters Drogenkonsum für (na, sagen wir mal) ein Quartal lang aufrecht zu erhalten, ist es nun Barât, der sich solo die Ehre gibt und einen Strauß Libertines ans überzeugte Publikum überreicht.

Zuvor gibt es die recht illustre Melange an bodenständigem Songwriting und dessen Tuning durch Saxophon und Geige von 15 Minutes Of Fame zu begutachten, die heute eröffnen dürfen. Seit mittlerweile fast zehn Jahren im Geschäft sind die Bielefelder um Frontmann Robert Solari ihrem Stil bisher weites gehend treu geblieben und wenn Solari in Zukunft eine höhere Schlagzahl an Zigaretten und Alkohol vorlegt, wird es vielleicht noch was mit der stimmlichen Thronfolge des großen Tom Waits, aber dazu müsste er vorher an Mark Lanegan, und Tod A von Firewater vorbei. All die großen heiseren Männer scheinen durch und wenn „Make It Rain“ das Set von 15 Minutes Of Fame beendet, dann klingt das zwar ganz wunderbar, hat aber mehr mit Get Well Soon, als mit Tom Waits gemein.

Ehemalige Rockstars sind oft zuallererst unsympathisch und zumeist so besoffen, dass sie weder singen noch greifen können, Barât zwar sein exzessiver Schlafentzug ins bleiche Gesicht geschrieben steht, aber er tatsächlich Lust zu haben scheint, und dementsprechend gut singt. Das ist eh mal eine Erwähnung wert, da es bei den Libertines zumeist darum ging, möglichst einen bis zwei Töne daneben zu liegen, Clash-rotzig zu klingen, und eben das Songwriting im Vordergrund stand, weniger die Qualität der Musiker. Heutzutage ist dem Ganzen umgekehrt, Barât einen gut angezogenen (Kontra)Bassisten mitbringt, der ziemlich genau weiß, was er tut. Ein Cello darf nicht fehlen, welches das Gütesiegel, eines überzeugendes Auftritts tragen kann, aber nicht zwangsläufig muss und heute sehr dezent bedient wird. Der Lead-Gitarrist – zumal Carl Barât sich die Gitarre erst gar nicht, und dann oft nur um Soli zu spielen, umschnallt – sieht aus wie Albert Hammond jr (zu „Is This It“-Zeiten), nur er weiß wo die Gitarre zu hängen hat, er durch seine reduzierte Spielweise gelegentliche Strokes-Reminiszenzen zu bieten hat. Das Ganze erzeugt Vibes die nicht in dieser vollen Entfaltung zu erwarten gewesen wären, weitab des bocklosen Muckertums, das sich durchaus hätte entfalten können, was sicherlich niemanden erstaunt hätte. Wobei vor allem „Up The Bracket“ überzeugt und schnell wieder ins Gedächtnis rufen kann, weshalb der Schreiber die Libertines einmal sehr geliebt hat. Im Forum erlebe ich tatsächlich zumeist die besten Abende, wenn ich es am wenigsten erwarte!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: