Caribou – Swim

von Benjamin am 14. April 2010

in Musik!

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Es gibt ein Songwriting, das jenseits aller Gitarren exisitiert. Bei der Gitarre habe ich das Instrument erst einmal in der Hand und kann meine Akkorde und ihre Abfolge auf ihr basteln. Alles, was man von solch einem Songwriting bisher gehört hat, schwebt in einem riesigen Kosmos, der auch dem bewusst sein wird, der nicht den ganzen Tag Radio hört oder sich sonstwo Musik besorgt. In diesem großen Sumpf unterzugehen, wird das Ziel der wenigsten Musiker sein, und so verlagerte sich das Musikmachen auf elektronische Instrumente, weil die ein anderes Herangehen ans Schreiben ermöglichten. CARIBOU schafft es nun, mit „Swim“ die Elektronik und klassisches Songwriting so dicht wie nur möglich zusammen zu führen. Hier fehlt der große Glamour des Disco und klingt doch unterschwellig mit, hier fehlt auch die Hektik des Halli-Galli-Abtanz-Elektro und trotzdem kann man dazu tanzen. Wie eine Mischung aus Arthur Russell und The Whitest Boy Alive klingt CARIBOU hier, eine Spur elektronischer als TWBA und noch mehr Elektronik und Feinschliff als Arthur Russell. Gerade bei der Elektronik passiert es schnell, dass man klingt wie alle anderen. Damit wird man vielleicht auch gehört und ist auch nicht schlecht, aber man bleibt Massenware: schnell konsumiert, aber auch schnell vergessen. Bei CARIBOU ist das anders. Seine Tracks sind songiger, zuhöriger: wie ein sanfter Vulkan pulsiert hier die Lava der gegenwärtigen und vergangenen Sounds um einen herum, es wird gesungen und etwas gesagt, aber man wird nicht gezwungen zu verstehen, der Beat will nicht pumpen und drücken, er will Struktur verleihen aber auch verschwinden, dann wieder auftauchen, dann wieder verschwinden… Und dann ist da noch dieses leicht Leierige, dieses leicht Honky-Tonkige in jedem Song, so als wäre die Elektronik ein bisschen out of tune, was ja vom Gerät her eher nicht möglich ist, aber natürlich bewusst hinzugefügt werden kann, wenn man denn will. Und auch bei CARIBOU passiert das, was viele Releases stillschweigend zugeben: der Pop der 80er war vielleicht doch nicht so schlecht.

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