Calling Linus – To Ride A Headless Horse

von Hififi am 8. Januar 2008

in Hausmusik

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Das wirkt manchmal alles ein wenig verhalten, fast schüchtern. Calling Linus alias Christian Swoboda ist aber deshalb noch lange kein Leisetreter, keiner von diesen bebrillten Gitarrennerds, die sich selbst und ihrem Instrument vollkommen genügen. „To Ride A Headless Horse“ will viel, tanzt auf allen erdenklichen Hochzeiten. Und wagt den ganz großen Popentwurf? Vielleicht, aber das wäre dann auch wieder zu einfach.

Über ein Jahr hat er nun gebraucht, hat manche Songs einfach mal zur Seite gelegt und sie reifen lassen, schließlich ist so ein ganzes Album viel Arbeit für eine Ein-Mann-Band. Zwölf Songs und über 50 Minuten Spielzeit zeigen, dass hier alles sehr eigenständig geworden ist und viel weniger eigen, als der Vorgänger. Die vielen Elektrofrickeleien sind auf dem Zweitwerk ins zweite Glied gerückt, so wirkt alles ein wenig songorientierter und eingängiger. „Fingerprint“ ist dafür ein gutes Beispiel, denn dort ist alles drin, was den typischen Calling Linus-Sound ausmacht: Die dezenten Schremmelgitarren, die immer wiederkehrenden elektronischen Einsprengsel und natürlich Swobos markante Stimmlage, die immer und immer wieder mit sich selbst im Chor singt. Chöre bestimmen ganz gezielt das Erscheinungsbild, es ist kein Song zu hören, wo er nicht zumindest seine Stimme doppeln würde, das wird auch nicht langweilig und zeigt, dass hier jemand sein (Studio-) Handwerk versteht. Wenn es denn nun unbedingt ein Hit sein muss, dann tut es am ehesten „Timebomb“ das erst amtlich rockt, dann Groove entwickelt und einmal mehr von Swo´s Gesang getragen wird. Ach ja und Handclaps gibt es auch. Jetzt schreien alle, die das Album schon kennen: Und was ist mit „He´s On Fire“? Dieser Song ist kein Hit, dieser Song ist eine Hymne! Und da er das weiß und sonst ja Bands wie U2, oder Coldplay zuständig sind, belässt er es wohlweißlich bei dieser einen. Dieses Album strotzt nur so vor Ideen und deshalb klingt der ein oder andere Song manchmal etwas überladen. Bevor sich etwas wiederholt, der Refrain zu oft geträllert wird, nimmt so manches Stück eine überraschende Wendung. Das ist durchaus interessant und vor allem originell, aber manchmal eben auch ein wenig anstrengend. Es fehlt so manchem Lied der Wiedererkennungswert, der sich nach mehrmaligem Hören einstellt und nicht etwa dadurch, dass sie etwa nichts taugen würden, sondern weil einfach (zu?) viel passiert. Um das jetzt weniger kritisch zu formulieren: „To Ride A Headless Horse“ ist so viel Liebe am Detail angediehen worden, dass es für den Rezipienten manchmal schwer nach zu vollziehen ist. Das sollte allerdings niemanden abschrecken, denn die Lösung des Problems ist doch denkbar einfach: Wir müssen dieses ganz besondere Album nur so oft hören, bis wir es meinen begriffen zu haben. Denn begriffen hat es doch nur einer – der gut Swo himself. Das würde er jetzt wahrscheinlich sogar abstreiten. Einfach nur gute Musik!

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