Calling Linus – Polyesterday

von Hififi am 20. April 2010

in Hausmusik

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Die Bandwerdung von Christian Swobodas Soloprojekt lässt ein wunderbares Album entstehen und kehrt dem verkopften Songwriter-Indiepop der beiden Vorgängeralben zumindest teilweise den Rücken. Der große Unterschied ist sicher die Arbeitsweise als Band, wenn der Chef also nicht mehr stundenlang allein in seinem Heimstudio hockt und sich den Kopf zerbricht, sondern gleich auf ein unmittelbares Feedback setzen kann. Großer Vorteil! Die Songs sind immer noch ausschließlich von Christian himself, was jederzeit zu hören ist, denn Songwriting und Sound sind mittlerweile fast unverkennbar Calling Linus, fast eine Art Trademark. Nicht nur die Singstimme ist aus hundert anderen herauszuhören, auch Swobodas „Gitarren-Schremmschremm“ ist ein Unikat. Generell lässt sich als Faustformel vielleicht am besten eine Dreiecksbeziehung aus Manchester Rave, dem Ursprungs-Indie á la Pavement und der Elektro-Verspieltheit von „Kid A“ aufstellen. Denn es ist gar nicht so leicht Calling Linus 2010 zu beschreiben, auch wenn gerade ein Song wie der Opener „Good, Bad, Over (How I Caught The Train)“ eine ganze Portion an hochwertigem Pop transportiert, bleiben die Songs doch immer recht verschrobener Indie. Ein wenig kauzig eben. Besagter Song verfügt über einen Jahrhundert-Refrain, wie er sich nicht schlimmer ins Gedächtnis bohren könnte um nach einigen Durchläufen für immer mit ihm zu verschmelzen. Der typisch verhallte Chorgesang, den Calling Linus mittlerweile kultiviert haben, kommt ein weiteres Mal zu Geltung und verkündet: „Feels so good – now it’s over“. Vielleicht handeln diese Zeilen vom Aufbruch zu neuen Ufern, dem Beginn eines neuen Lebensabschnitts, geographischen Veränderungen oder doch einfach nur der Bandwerdung von Calling Linus. Es klingt befreit, frisch und so gut wie nie zuvor. Lebensumstände ändern sich und auf einmal wird doch alles gut. Und so klingt „Polyesterday“, wie ein Befreiungsschlag einhergehend mit der kompletten Auslotung eines schon immer reichlich vorhandenen Talents.

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