Bye Bye Bicycle – Compass

von Hififi am 20. August 2010

in Musik!

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Dass schwedische Bands nicht gerade dafür bekannt sind, das Rad neu zu erfinden, ist bekannt. Und Bye Bye Bicycle reihen sich nahtlos ein in die Reihe der Interpreten die sich dem zusammengeklauten Retro-Pop verschrieben haben und sind dabei nicht weniger als die Blaupause um ihn zu neuen Ufern zu führen. Mit der Melange aus dem Cure-Pop der Shout Out Louds („Agent“), dem spartanischen Dance von Whitest Boy Alive („500 Miles“) und der Eingängigkeit (ganz im Allgemeinen) der französischen Durchstarter von Phoenix, lässt sich fürs Erste vorzüglich leben. Dabei bleiben die Fünf den Achtzigern mehr als treu, mit bereits genannten Cure, deren Gitarrensound fast Eins zu Eins annektiert wurde, und den vielschichtigen wie abwechslungsreichen Melodien der Smiths. „Compass“ lässt sich dabei durchaus anhören, wie lange die Erschaffer an diesem Album herum geschraubt haben – immerhin zwei Jahre. Bisher nichts Ungewöhnliches? Stimmt! Bis nach fünf veritablen Tracks und der Single „Northpole“ auf einmal ein Instrumental erklingt, wie es leicht an „Tabular Bells“ von Mike Oldfield erinnert, nur dass es hier in aller Ausführlichkeit ein Sade-Saxophon auf die Ohren gibt. Gut, ein Saxophon gab es bereits vorher gelegentlich, gelegentlich gar als Lead-Instrument und seit TV On The Radio und Foals auf dem Parkett vertreten sind, ist dieses Instrument nicht mehr so verpönt. Oder hat einer von euch in den gesamten Neunzigern auch nur ein Saxophon gehört? (Joe Cocker zählt nicht! Der weiß schon seit Jahrzehnten nicht mehr in welchem er sich gerade befindet.) Jedenfalls profitiert „Meridian“ von diesem Instrument und wird – trotz des fehlenden Gesangs (und vor allem weil er einem nämlich gar nicht fehlt) – zum absoluten Gewinn für „Compass“. „Footsteps Pt.II“ wiederum ist der Hauptgewinn. Bereits in den ersten Sekunden bauen Klavier und Streicher eine unheilvolle Atmosphäre auf, die sich überleitet in die träumerischen Klavierakkorde ruhiger Element of Crime-Songs, auf die der Gesang André Vikingssons nahtlos dahingleiten kann. Ab Minute 3:23 ändert der Song jede Richtung, jedes Tempo, und der Gesang bleibt bis zum Ende verschollen, eine recht offensive Post Rock-Melodie hat das Kommando übernommen und bleibt stoisch auf Kurs. Der Rhythmus verfällt in ein hypnotisches Tantra und wird nur noch gelegentlich durch ein Einhämmern auf die Klaviatur unterbrochen. Dann ist Schluss und „Compass“ hat sich auf die körpereigene Festplatte gebrannt und muss spätestens am nächsten Tag wieder gehört werden. Und wieder und immer wieder.

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