Broken Social Scene – dto.

von Sterereo am 22. Februar 2006

in Musik!

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Broken Social Scene sind nicht nur eine Band, es ist die Szene. Und zwar die Indie-Szene aus Kanada mit Stars, Feist, Metric und eine paar anderern im Kollektiv. Gemeindevorsteher ist Kevin Drew, der die wohl schwierigste Aufgabe hatte diese Egos, die zum Teil nebenher selbst Aufnahmen machten oder sich komplett auf das Projekt konzentrieren wollten, unter einem Hut zu bringen. Irgendwann wurde einfach der Stecker gezogen, die Leute nach Hause in die Nachbarschaft geschickt und das Album gepresst.

Dabei sollte das immerhin dritte Album der Bandunion eigentlich den bedeutungsschweren Namen „Windsurfing Nation“ tragen und ein Seitenhieb auf den sonnengebräunten Nachbarn im Süden sein. Doch soweit wollte sich dann doch niemand aus dem Fenster wagen und das Album wurde selbstbetitelt. Herumgekommen ist ein großes Sammelsurium aus Tönen, Instrumenten, Stimmen und (Stör)Geräuschen, vereint in Songs aus denen man auch mehrere hätte machen können. Dies klingt manchmal anstrengend und unmöglich zu erfassen ist aber eher ein Grund die Songs noch einmal zu hören. Denn plötzlich tauchen ohrwurmartige Passagen auf, verzerrte oder flüsternde Stimmen, eingängige Rhythmen, niemals langweilig, immer irgendwie interessant. Wahrscheinlich ist es dass, was den Reiz ausmacht so viele Indie-Musiker in ein Studio zu stecken, nur um zu sehen was dabei herauskommt. Und wieso sollte das klingen wie die eigene Band? BSS klingt nicht wie ein Mischung aus Metric und Stars, oder ein Cocktail von Apostle Of Hustle und Feist. Es ist ein Chaos der Musiker, die zu Songs verknotet werden.

Nehmen wir also noch einmal „Windsurfing Nation“. Ein Track welcher nicht besser für das Album stehen könnte, wenn das Album für etwas außer dem Kollektiv selbst stehen würde. Die Stimmen sind leiser als die Gitarren, die Gitarren leiser als die Rhythmusfraktion und über die weiblichen Mehrfachstimmen „we won’t be what you want to be, OH NO!“ legt sich ein Gewirr aus soften männlichem Mehrstimmengesang. Doch auch einzeln wird gesungen, andere Songs tragen sicherlich Handschriften der einzelnen Musiker, aber nicht ohne von den anderen aufwendig verziert worden zu sein. Zu guter letzt schaukelt sich der Abschiedssong „It’s All Gonna Break“ in Schwindel erregende Höhen, um in epischen 9:55 Minuten den Hörer wieder zu entfesseln und in seine geordnete Welt zurück zu lassen. Ja, vielleicht ist das die beste Beschreibung für dieses Meisterwerk, geordnetes Chaos einiger kanadischen Spitzenmusiker.

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