Broadcast 2000 – Motoki Köln, 09.05.2010

von Sterereo am 18. Mai 2010

in Feierlichkeiten

Post image for Broadcast 2000 – Motoki Köln, 09.05.2010

Joe Steer nimmt seine Songs alleine auf. Zuerst im Schlafzimmer – jedes Instrument einzeln. Dann kommt ein bezahlter Geiger im Studio obendrauf, für den unterschwelligen Bombast von Broadcast 2000. Was machen auf Tour? Hätte der Brite eine Wunschfee, er würde neun Musiker auf die Bühne zaubern (Interview). Doch bei der ersten Deutschland-Tour muss der Minimal-Folk-Barde kleinere Brötchen backen. Im Wohnzimmer des Motoki ist schon für drei Musiker kaum Platz.

Dort auf der kleinen Bühne sitzen noch Vorband Wilukas mit Gitarre und Posaune. Als wir die Tür zum Wohnzimmerkonzert öffnen sind „Pssst“-Mahnungen und böse Blicke inklusive. Sorry! Das Motoki-Kollekitv fängt pünktlich an, ist ja auch klar: Die Nachbarn schlafen zeitig. Da bleibt kein Platz für Starallüren und späte Stagetimes. T’schuldigung noch mal – die Bahn… Gut 20 Leute sitzen auf den Ledersofas, nippen am Bier und wippen gelegentlich mit den Füßen. Unaufgeregt feiern ist die geflüsterte Parole. Wird gleich auch passend untermalt: „Get this Party started“ singen Wilukas. Der Pink-Gassenhauer ist dabei nur schemenhaft am Text zu entlarven, die Musik ist ein langsamer Blues. Passt zur erwartungsvollen und relaxten Stimmung und erntet dafür ordentlich Applaus. Jetzt aber schnell untertauchen und nicht noch mal unangenehm auffallen. Da sind noch zwei Stühle!

Eine Weile sitzen, wippen und nippen später erklimmen Joe Steer und seine zwei mitgereisten Kumpels die Bühne. Leider nicht die Aluleiter, die dort aufgebaut steht. Hat die dort jemand beim Glühbirnewechseln vergessen? Später wird klar, so sieht das Becken des Schlagzeugers aus, wenn Broadcast 2000 in fremden Wohnzimmern spielen. Bei allem improvisierten Minimalismus, das Markenzeichen dieser seichteren Folkgruppe ist und bleibt das Glockenspiel. Selten habe ich dieses so sträflich unterschätze Instrument mit einer solchen Inbrunst spielen sehen. Da rutschen die kleinen Holzstäbchen im Eifer des Gefechts (!) schonmal aus der Hand und fliegen durch die Gegend. Mehrmals. Einmal trifft es den gitarrespielenden Joe Steer. Der macht seine Witzchen darüber. In der Zwischenzeit konzentrieren sich die Drei auf die schönen und zerbrechlichen Songs: „Rouse Your Bones“ und „Gonna Built a Mountain“ stechen wie schon auf dem Debüt-Album heraus. Kurzzeitig wird Broadcast 2000 wieder zum Soloprojekt. Joe Steer spielt drei Songs im Alleingang. Darunter auch das Cover des niedlichen „Us“ von Regina Spektor. Das kommt an. Für zwei Zugaben wird das Trio zurück auf die Bühne gejolt. Sitzend, versteht sich. Nach dem Konzert wird vereinzelt aufgestanden und Bier an der Theke geholt. Dann sieht das Motoki wieder aus wie ein Bar. Nur wer draußen über den intimen Auftritt plaudern möchte, soll bitte leise sein – ihr wisst ja: die Nachbarn!

Share Button

{ 0 Kommentare… add one now }

Previous post:

Next post: