Broadcast 2000 – Interview

von Sterereo am 13. Februar 2010

in Interviews

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Dieser Joe Steer ist ein tiefenentspannter Typ. Seine ruhigen Folkwölkchen schreibt er zuhause im Schlafzimmer. Ein sicherlich traumhafter Ort, wenn dort diese sanften Melodien entstehen. Auch im Gespräch schwingt durch den Hörer diese durchdringende Zufriedenheit mit sich und der Welt. Obwohl das selbstbetitelte Album „Broadcast 2000“ nun endlich in den Startlöchern steht.

Ich schaue immer auf die 2000 in deinem Bandnamen. Irgendwie hängt dem immer noch etwas futuristisches an, wie bei Stanley Kubricks „2001: A Space Odyssey“. Wie hast du dir damals als Kind vorgestellt, wie das Jahr 2000 aussehen wird.

Gute Frage. Das ist witzig, denn das Jahr 2000 ist jetzt die Vergangenheit und der Name irgendwie Retro. Aber wir hatten im UK so eine Fernsehsendung die hieß „Tomorrows World“. Die Serie war voll mit Robotern die dir deine Bohnendosen aufmachen konnten. Als kleiner Junge dachte ich die ganze Welt würde voll mit Robotern sein…

… die dir die Dosen öffnen.

Genau, als automatische Dosenöffner. Doch es kam alles anders. Alles scheint noch so geblieben zu sein wie früher. Außer diese Handys – die können mittlerweile total verrückte Dinge.

Gut, dass du das mit den Robotern sagst. Tatsächlich erinnert mich diese „2000“ auch an die Terminatorfilme, wo dieser T2000 sich so abgefahren verflüssigen kann. Ist das auch so mit euch? Wäre wie der T1000 jetzt Broadcast 1000 nur halb so gut?

(lacht) Keine Ahnung! Es ist immer eine durchgeknallte Sache mit diesen Bandnamen. Ich wollte immer eine Namen haben, wo niemand eine Ahnung hat, wie die Musik wohl klingt. Es sollte niemand sofort rauskriegen, dass es jetzt eine Folkband ist. Ich wollte es nicht Joe Steer nennen, so das jeder sofort weiß, es handelt sich um einen Singer/Songwriter. Es soll mir alle Optionen offen halten. So bin ich wenigsten nicht so sehr im Rampenlicht. Vielleicht trete ich irgendwann doch alleine auf, nenne mich aber John Smith.

Oder einfach nur Broadcast?

Die Sache ist so: Ich hatte einen Kalender vom Broadcast-Magazin, der hing über meinem Musikequipment in der Wohnung. Der hing da noch Ewigkeiten nach dem Millenium. Außerdem gibt’s schon eine Band mit dem Namen Broadcast, also hätte ich den eh nicht nehmen können. (lacht) Kennst du die zufällig?

Broadcast? Nee, bisher noch nicht.

Du solltest sie dir anhören, die sind cool.

Ihr kennt euch?

Nicht persönlich, sondern nur die Musik. Es ist so schwierig einen einfallsreichen Bandnamen zu finden…

Ihr solltet gemeinsam auftreten. Broadcast und Broadcast 2000.

(lacht) Das ist eine gute Idee. Die Leute würden nicht verstehen was abgeht.

Obwohl jetzt Broadcast 2000 keine abgefahrenes Elektrozeug ist, wie Kraftwerk oder ähnliches…

Noch nicht! Wer weiß? Ich halte mir alle Türen offen.

… dann kannst du es Broadcast 3000 nennen.

(lacht) Gute Idee!

Ich versuche mir gerade vorzustellen, wo der richtige Ort ist um deine Musik zu hören. Stadion oder in einem gemütlichen Zimmer?

Ich klinge damit vielleicht etwas altbacken, aber ich mag Konzerte bei denen das Publikum sitzt. Mit Kerzen und bequemen Sitzmöglichkeiten, in denen sich jeder zurücklehnen kann. Ich stehe nicht so auf schwitzige Mosh-Pits. Lieber etwas nettes, warmes mit Tischen und netten und höflichen Leuten. So sieht mein perfekter Konzertort aus. Nett und gemütlich, das ist mein Ding. Das passt auch besser zur Intimität der Musik, als eine riesige Horde von Fans.

So richtig kann ich mir auch nicht vorstellen, das deine Musik auf einer Party oder ständig im Radio gespielt wird.

Ja, da hast du wohl Recht. Es ist eher eine persönliche Angelegenheit die Musik zu hören und nicht so für die Party geeignet. Das finde ich auch nicht wirklich schlimm.

Dagegen scheint das Fernsehen genau der richtige Ort für deine Musik zu sein.

Verrückt, nicht wahr? Das habe ich nicht kommen sehen. Es war schon in verschiedenen Werbespots. Irgendwie scheint die Musik dafür geeignet zu sein. Möglicherweise weil die Texte sehr universell sind und sich gut interpretieren und transportieren lassen. Keine Ahnung. Aber ich bin sehr zufrieden damit, dass sich meine Musik anscheinend so gut im Fernsehen funktioniert. Die Musikindustrie ist froh über jedes Einkommen. (lacht)

Ein Spot war für den Energiekonzern E.ON, dann nochmal etwas in einer TV-Serie, die ich nicht kannte.

Da sind verschiedene Sachen. Mehrere Werbespots. Ein Filmtrailer für „Yes Man“ und noch in einer Serie hier im UK.

Eine dieser Krankhausserie?

Nein, nein! Eine über Universitätsstudenten. Wirklich schlechtes Fernsehen. Ich hatte keine Wahl! (lacht) Nun, ich bin da nicht so wählerisch. Ich bin froh, dass sie meine Musik genommen haben.

Nun hast du bei Grönland Records angegeuert. Herbert Grönemeyer vorher schon gekannt oder gar getroffen?< Nein, ich kenne ihn erst seitdem sich das Label für mich interessiert hat. Er ist offensichtlich sehr berühmt in Deutschland, aber nicht so sehr im UK. In der Rezension zu deinem Album heißt es, dass du sehr gut ins Label passt, mit anderem eher untypischem Folk, wie beispielsweise Windmill.

Ja, definitiv. Ich bin mir nicht sicher, ob wir so viel gemeinsam haben, aber es ist sehr interessante Musik. Es ist wirklich toll bei einem Label zu seinen, die eindeutig nicht nach dem nächsten massiven kommerziellen Erfolg suchen.

Wie sind sie auf dich gekommen?

Der vorherige Manager von Grönland hat mich in London beim ersten Auftritt von Broadcast 2000 gesehen. Kurz danach haben wir eine EP aufgenommen, es war eine Kollektion von Demos – nicht wie das Album jetzt.

Wie kann man sich das vorstellen, wenn Broadcast 2000 auftritt? Da muss viel losgewesen sein.

Du wist lachen, aber wir waren nur zu dritt. Neben mir noch ein Typ mit Glockenspiel und einer der etwas Percussion spielte. Seitdem sind sehr viel mehr Leute an Bord, so um die neun. Doch eigentlich spielen immer rund vier Personen bei einem Auftritt. Hoffentlich kommt irgendwann die Zeit, wo wir tatsächlich zu neunt auf Tour gehen können.

Dann kommt ihr nach Deutschland.

Ja, wir kommen sogar schon im Mai.

Lass uns noch etwas über Orte sprechen. Du kommst aus Devon? Du sollst gesagt haben, dass man dort fast zwangsläufig aus Langeweile irgendwann in einer Band spielt. Stimmt das?

Schon, es ist wirklich ein sehr kleines, ländliches Dorf. Nur Bauernhöfe und Felder ringsherum. Daher ist es schon eine gute Idee dort mit der Musik anzufangen.

Normalerweise kommen solche Sätze von schwedischen oder isländischen Bands.

Vielleicht ist Devon wirklich vergleichbar mit Schweden. (lacht) Die Songs für Broadcast 2000 sind aber hauptsächlich in London entstanden.

Dort wo du studiert hast?

Nein, ich habe in Nordengland studiert. In der Nähe von Manchester. Jetzt lebe ich seit rund fünf Jahren in London. Da habe ich vor allem in klassischen Orchestern gespielt. Cello und so. Doch wie jedermann musste ich auch die Miete bezahlen. Also hatte ich Bürojobs in London und nur nebenbei Zeit Musik aufzunehmen in meiner Wohnung. Das war mehr ein Hobby mit der Musik und den Bands. Ich wollte sowieso lieber immer eher im Hintergrund sein, als Bassist oder Drummer, anstatt die Frontsau raushängen zu lassen. Das macht mich immer noch fertig. Aber so langsam gewöhne ich mich dran.

Du wolltest auch gar nicht singen auf deinem Album.

Richtig. Das liegt daran, dass ich während der Aufnahmen in meinem Schlafzimmer mit einer Soul- und Jazzsängerin zusammengewohnt habe. Sie war selbst aber sehr beschäftigt mit ihrer Gesangskarriere. Außerdem gehörte es irgendwie für mich zum ganzen Prozess beim Songschreiben zu singen. Später wollte ich die Gesangsstellen noch einmal aufnehmen. Doch einige Freunde meinten ich hätte ein gute Stimme und sollte weiter machen. Offensichtlich habe ich auf sie gehört.

Ich versuche mir gerade vorzustellen wie deine Musik mit einer kräftigen Soulsänger klingen würde.

Das wäre was vollkommen anderes geworden! Jetzt versuche ich es alleine, was etwas vollkommen Neues und Unerwartetes für mich ist. Momentan klingt es nicht einmal mehr so wie auf den ersten Aufnahmen.

Außerdem hast du jedes einzige Instrument auf dem Album aufgenommen? Nur noch einmal mit einem Produzenten überarbeitet?

Ja, ich habe alles zuhause alleine aufgenommen. Es wurde nur nochmal von Eliot James (u.a. Bloc Party und Kaiser Chiefs. Anm.) überarbeitet. Er wollte auch noch etwas Violine darüber legen.

Dafür kam jemand von Noah and the Whale, richtig?

Genau, Eliot hat Tom (Hobden, Anm.) gefragt und er spielte etwas Violine darüber. Nur so einen halben Tag. Aber er war wundervoll. Leider hat er viel zu viel um die Ohren, um mit mir auf Tour zu gehen. Sehr schade. (lacht)

Hattest du das Gefühl, dass dir ein Produzent weiterhelfen kann?

Eigentlich war ich sogar sehr besorgt, dass er es zu sehr verändert und es diesen Flair vom Homerecording verliert. Doch er hat gar nicht versucht etwas an der Musik zu ändern. Es war mehr eine Frage von zusätzlichen Tonspuren und reiner Technik. Keine zusätzliche Effekthascherei, das war gut. Möglicherweise wäre das mit einem anderen Produzenten in die Hose gegangen und es hätte viel Streit gegeben. Aber so war es sehr hilfreich.

Wenn wir uns jetzt vorstellen, dass dein Album durch die Decke geht und Timbaland unbedingt mit dir arbeiten möchte. Würdest du es tun? Oder dein Schlafzimmer vorziehen?

Wahrscheinlich würde ich das Schlafzimmer wählen. Ich habe sehr gerne die Kontrolle und würde wohl einfach so weitermachen wie bisher. Es ist nicht meine Tasse Tee mit vielen Musikern zu kollaborieren, um gemeinsam Songs zu schreiben. Ich bin froh wie es jetzt gelaufen ist und es ist mein Projekt. Obwohl ich es sehr mag zusammen live zu spielen, beim Songschreiben mag ich die Isolation.

Dagegen kann es auch spannend sein, wenn noch jemand andere Aspekte und Einflüsse in die Musik einbringt, findest du nicht?

Das ist mir zu konfus. Zuviele verschiedene Ideen zu haben ist auch nicht gut. Es gibt einen da einen Spruch: „A camel is a horse designed by a committee“. (lacht) Kennst du den?

Nein. Wir haben da nur einen Spruch mit Köchen und Brei.

Das scheint in die Richtung zu gehen. Ich bin wirklich sehr zufrieden als Einzelkämpfer.

Doch alle deine Songs sind sehr ruhig und entspannt. Fühlst du dich nicht manchmal danach einfach so richtig laut und schnell zu spielen?

(lacht) Weißt du, das ist einfach nicht mein Stil. Ich habe kein echtes Verlangen danach mir die E-Gitarre und Pedalen zu schnappen. Ich bin eher der ruhige Typ.

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{ 1 Kommentar… read it below or add one }

1 alex Februar 16, 2010 um 10:59 Uhr

oh, penguin cafe orchestra hat er als einfluss auf seiner myspace-seite stehen, grad beim anhören angesehn. hört man auch

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