Brew-Doublefeature: Chickenhawk – Modern Bodies / Humanfly – Darker Later

von am 12. Januar 2011

in Musik!

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Für alle, die es bisher nicht wussten: Hififi hat einen heimlichen Lieblingsdealer, der ihn regelmäßig mit Synapsen sprengendem Zeug versorgt. Das wunderbare englische Label Brew hat Ende 2010 mit Chickenhawk und Humanfly gleich zwei besondere Krach-Schmankerln aus der Pipeline geschossen. Das besondere an allen Brew-Veröffentlichungen ist ja neben der durchgängig demonstrierten Brachialität von Acts wie Castrovalva, Kong oder These Monsters, eine weitgehend klischeefreie und moderne Neuinterpretation von diversen Core-Spielarten wie Noise, Metal oder Prog.

Den Anfang macht der Hühnerhabicht aus Leeds, der auf „Modern Bodies“ für Brew-Verhältnisse recht straight auf die Jagd geht. Dabei pflügt er sich durch die verschiedensten Genres. Stoner-Rock-Elemente, harmonische Gesangslinien, McLusky-artige Indierock-Vocals und vieles mehr werden zu einem irren Mix verwirbelt. Es wird viel mit gefährlichen Substanzen herumexperimentiert. Trotz aller Vertracktheit geht es aber immer schnurstracks gerade aus, quasi die Progcore-Variante von Motörhead. Dazu klingt „Modern Bodies“ auch einfach fantastisch: Jedes Detail wurde liebevoll herausgeschält, jeder Widerhaken blitzt aus dem Gesamtbild hervor. Es dominiert in jeder Sekunde ein hochenergetisches, kontrolliertes Chaos. Man tut sich schwer, Vergleiche aufzuzählen, oder gar eine Einordnung zu wagen, da einfach zu viel drinsteckt. Wer sich selbst ein Bild machen will, dem sei „Mandarin Grin“ als Anspieltipp genannt, da die Band hier ihre gesamte Bandbreite mit rasend schnellem Tempo durchexerziert und dabei streckenweise auch höchst eingängig daherkommt.

Das zweite Tier im Bunde ist Humanfly. Diese kommen ebenfalls aus Leeds, arbeiten aber in einer ganz anderen Geschwindigkeit. „Darker Later“ ist an Doomigkeit wohl kaum noch zu überbieten, es sei denn, man beschränkt sich auf das zeitlupenartige Raushauen von Riffs wie die amerikanischen Drone-Metaler Sunn O))) oder Earth. Humanfly sprengen mit ihren Songs die Grenzen zwischen Pink-Floyd-Psychedelia, Black-Sabbath-Protometal, Spacerock-Ambient und Noisecore. Aber auch hier gibt es immer wieder eingebaute Überraschungen wie das brachiale Feedback-Gefiepe am Ende von „English And Proud And Stupid And Racist“ (Was für ein Titel!) oder der Helmet-Gedenk-Minimalismus inmitten des wilden Kreischrockers „Stew For The Murder Minded“. Eine wirkliche Kategorisierung fällt auch hier schwer. Der echte Knaller kommt aber erst noch: „Heavy Black Snow“ ist ein über siebzehnminütiger Wahnsinnsbrocken von einem Psychotrip. Dazu steuert Folksängerin Rose Kemp (!) Vocals bei, die erst wie bei Sonic Youths „Washing Machine“ gesprochen werden und sich zusammen mit dem Rest des Songs immer weiter aufbäumt, bis eigentlich nur noch alles in die Luft fliegen kann. So hätte es sich wohl angehört, wenn der Dämon in „Der Exorzist“ die Weltherrschaft übernommen hätte. Einfach ein unfassbares Stück!

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{ 3 Kommentare… read them below or add one }

1 Hififi Januar 15, 2011 um 02:10 Uhr

Und sieh liest aus der schwarzen Schrift, dann singt/ schreit, schreit sie aus selbiger und eine Folksingerin ist sie schon lange (nicht nur) und zuguterletzt klingt alles sehr nach Black Sabbath mit ihrer Stimmer, die der „Prince of fucking darckness“ nur als eine Art Hommage empfinden muss, Tommy Iommi die harten aus Stahl geschmiedeten Riffs, so böse noch nie gehört hart…. Humanflay und Rose Kemp sind evil as „fucking hell“! und daran kann niemand, nie wieder etwas ändern.! http://www.youtube.com/watch?v=NdZBQECocNs&feature=related

2 Hififi Januar 15, 2011 um 02:27 Uhr

Chickenhawk nicht zu vergessen, die beste Zombie-Emo-Band überhaupt; „28 Days Later“ deluxe, nur das Danny Boyle vergessen hat Chickenhawk für den Soundtrack zu besetzen. OH MY GOD!

3 Hififi Januar 15, 2011 um 02:28 Uhr

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