Brett Anderson – Slow Attack

von Benjamin am 7. November 2009

in Musik!

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Als ich 1994 zum ersten Mal Suede hörte, konnte ich es mir gar nicht leisten, sie auch noch gut zu finden. Ich fand ja schon Nirvana und Pavement gut, und da passte Suede echt irgendwie nicht mehr rein. Die waren so seltsam unhetero und träumerisch und schwelgend und bereit zu großen Gesten, das schmeckte mir eigentlich gar nicht. Aber ich mochte es heimlich natürlich trotzdem. Nachdem es Suede nun nicht mehr gibt, bringt Brett Anderson in schneller Abfolge Solo-Alben heraus und tut dabei eins ganz besonders: er hält sich zurück und zeigt dadurch Größe. Das mag auf den ersten Blick bei der Produktion nicht so wirken, aber verglichen mit früheren Pathos-Orgien in der Suede-Zeit ist dies hier eben zurückhaltend. Diese Stimme ist unter Hunderten heraushörbar und so muss sich Brett Anderson wie ich glaube, gut überlegen, was als nächstes zu tun ist. Die Instrumentierung auf „Slow attack“ ist orchestral, mit vielen Bläsern und Streichern und ein wenig Percussion. Dahinter steht auch manchmal ein Bandsound, aber immer bleibt das Orchestrale vorhanden, aber vor allem ohne pompös zu sein. Natürlich ist auch das Klavier mit das maßgebliche Instrument hier. Und irgendwie verschafft einen ein Klavier immer in eine intime Position. Mit solch einer Stimme kann man vielleicht schnell größenwahnsinnig werden und in der Vergangenheit schien dies auch manchmal so zu sein, aber hier kommt Brett Anderson ziemlich auf den Boden der Songs zurück. Denn auch eine großartige Stimme wirkt nur dann großartig, wenn sie klug begleitet wird. Und das wird Brett Anderson auf „Slow attack“ definitiv. Man höre sich nur die bestechende Akkordfolge in „The Swans“ an, diese melodramatische Reihe, die dann von seinem Gesang gekrönt wird. Einzig und allein den Aufnahmesound der Stimme hätte man hier und da interessanter gestalten, etwas variieren können, aber ich kann mir vorstellen, dass Brett Anderson hier vielleicht ein Veto einlegt und seine Stimme nicht produktionstechnisch verfremden lassen will. Aber das würde zu einem willkommenen Kontrast führen, der den Hörer in eine schwingende Bewegung setzt und damit immer näher an die Schönheit Brett Andersons Stimme führen würde. Orchestral arrangieren und dabei dezent bleiben, pathetisch singen und damit aber die Schüchternheit betonen, das schafft nur Brett Anderson so.

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