Bonnie 'Prince' Billy – The Letting Go

von Benjamin am 13. Dezember 2006

in Musik!

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Bonnie ‚Prince‘ Billys Musik befindet sich in einem Prozess der Auflösung.

Wer vor knapp 10 Jahren Souled Americans „Notes Campfire“ Album gehört hat, weiß wovon ich rede. Auf Souled Americans Album befand sich der Country in einem Schwebezustand, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, ausgehend von der Musik. Allein das wunderschöne „Before Tonight“ eröffnete das Album mit einer nachvollziehbaren Struktur. Danach schwangen Steel Pedals und Bass frei im Raum herum, fast psychedelisch, nicht eingeengt von einem Rhythmus oder irgendeiner Perkussion. So mögen es vielleicht die Mitglieder von Souled American empfunden haben, für mich wurde das Album dadurch extrem ungreifbar und unnachvollziehbar. „The Letting Go“ bewegt sich in einem ähnlichen Kosmos. Zwar gibt es auf diesem Album deutlich mehr nachvollziehbare Songs als damals

bei Souled American, jedoch kann man auch hier dieses Schwebende hören, wie man es einmal schon auf „Ease Down The Road“ bei „Careless Love“, auf „Superwolf“ bei „Blood Embrasse“ und vorher noch bei „Master And Everyone“ gehört hat. Vielleicht muss bei Will Oldhams mehr allein bestimmten Projekten inzwischen das Greifbare weichen, es scheint kaum Platz zu sein neben seiner Stimme. Und trotzdem holt er sich noch Verstärkung für seine Stimme, in Form von Dawn Maccarthy obwohl die vermeindlich hörbare Qualität seiner Stimme zugenommen hat. Auf mich hatte das zuerst einmal eher die Wirkung, die Joan Baez bei Bob Dylans Songs hatte. Das gnadenlose Zersägen sorgfältig aufgebauter Songs durch den Diskant von Joan Baez. („Zersägen“ und „Diskant“ habe ich dabei einer anderern Rezension über ein Bob Dylan Album entliehen.) Auf „Viva last blues“ konnte man einen Haufen schiefer Gitarren und Stimmlagen hören, die Struktur und Produktion (Steve Albini) war aber klar und nachvollziehbar. Es handelte sich (schon damals) um kaputten Country-Folk, 2005 noch durch z.b. Coco Rosie als neue Musikrichtung definiert, aber das nur nebenbei. Inzwischen ist eigentlich so gut wie nichts mehr kaputt, die Elemente und die Aufnahme haben sich extrem gebessert. Will Oldham hat dieses Album in Island aufgenommen. Mit einem Produzenten, der auch Björk-Alben produziert hat. Ein bisschen Dumpfheit im Sound hat er noch übrig gelassen. Ich persönlich kann diese Entwicklung innerhalb der Produktion und Songauswahl kaum bewerten, nur betrachten, da Will Oldham für mich unantastbar scheint. „The Letting Go“ reiht sich für mich nahtlos in die Reihe seiner Alben ein, nicht weil man so etwas erwarten konnte, sondern wieder einmal nicht. Die Frage nach einer Qualität stellt sich für mich bei Will Oldham nicht, weswegen ich ein denkbar schlechter Rezensent für seine Alben bin. Dies sollte nur ein Versuch sein, diese Stufe der Entwicklung zu beschreiben.

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1 otic Dezember 13, 2006 um 20:32 Uhr

Souled American habe ich 1997 einen der merkwürdigsten, versoffensten Abende ever zu verdanken. Ich glaub‘ sie haben im Package zusammen mit Hazeldine gespielt (bin mir da aber nicht mehr so sicher), und wollten und wollten nicht mehr aufhören. Bier floss in Strömen, fast drei Stunden lang. Die Band lag in den letzten Zügen, genau wie ich.
Habe „Frozen“ schon lange nicht mehr aus dem Regal gezogen. Wenn ich’s mir recht überege ist es vielleicht auch besser so…

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