Bon Iver – For Emma, Forever Ago

von am 30. Mai 2008

in Musik!

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„Männlein steht im Walde, ganz still, […] `aber nicht´ stumm. Sag, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein?“. Dieses Männlein heißt Justin Vernon und hat einen Winter in seiner Jagd-Hütte im Nordosten Wisconsins verschanzt um ein Album aufzunehmen. Dem Ergebnis gab er den kryptisch anmutenden Titel „For Emma, forever ago“ – benannt nach seiner Ex-Freundin Emma – als Sinnbild, dass diese Liebe, die erste Liebe, irgendwann für immer vorbei sein kann.

Das Album handelt dann jedoch nicht von seiner Verflossenen. Emma steht einfach für die Liebe, ohne eine bestimmte Person zu sein, Emma ist also ganz dem Wortsinn nach „allumfassend“ gedacht. So gerät das Album dann auch nicht zu einer Abrechnung, sondern zu einer Art „Lektionen in Demut“, um hier einen Begriff zu nutzen, den der bekannte deutsche Lyriker Thomas Dürr geprägt hat. Justin Vernon scheint sich die Wintertage mit seiner Gitarre auf seine Veranda gesetzt zu haben, um seine Melodien in die Wildnis zu hauchen und mit den Wölfen zu heulen. Wie Wölfe nicht heulen, weil sie einsam sind, sondern als Zeichen der Zugehörigkeit zum Rudel, klingt Justin auch nie einsam, er erscheint vielmehr als eine Art milder Geschichtenerzähler. In einigen Songs scheint der Wald zurück zu rufen und Justins Stimme legt sich als Echo über den eigenen Gesang, so dass er sich in „The Wolves…“ ekstatisch hochschaukelt, um dann flüsterleise auszuklingen. In einigen Songs denkt man den Wind durch die Bäume rauschen zu hören, in anderen wiederum, wie Justin mit seinem Fuß sein Gitarrenspiel mitstampft. Zu der eingesetzten Gitarre gesellen sich dann teilweise noch Drums, ein Steelpedal und eine Trompete, zusätzlich noch allerlei elektronische Samplespielereien. Die Songs sind immer warm und schmiegen sich direkt ans Herz, schade nur, dass das Album schon nach 37 Minuten vorbei ist.

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1 RockinBen Mai 31, 2008 um 07:28 Uhr

Ja, geil, den Hausmeister Thomas D. als bekannten deutschen Lyriker zu bezeichnen… Der Reflektorfalke würde sich darüber bestimmt freuen!

2 Iain Juni 4, 2008 um 22:12 Uhr

na hoff ich doch, wenn nicht der, wer ist denn sonst heute berkannter lyriker, ich denke popkulturell kann man ihn tatsächlich so nennen ;o)

auf diesem wege auch noch einmal eine klare kaufempfehlung für bon iver, läuft bei mir im moment auf dauerschleife!

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